Camille(Lola Créton) & Sullivan (Sebastian Urzendowsky)
Wenn jemand Liebe kann, dann sind es die Franzosen. Das ist kein Vorurteil, sondern ein Filmfakt, entstanden durch Tausende von romantisch-eleganten französischen Liebesfilmen, in denen sie sich nicht für ihn oder er sich nicht für sie oder sie sich nicht zwischen beiden entscheiden kann.
Auch "Un amour de jeunesse" erzählt die Probleme, die entstehen, wenn die alte Frage nach der Nähe nicht eindeutig geklärt ist: Camille verliebt sich als Teenager in Sullivan. Er lässt sie zurück, um ein Jahr ins Ausland zu gehen, und verlässt sie schließlich ganz. Nach gefährlich-dramatischem Liebeskummer wackelt sich Camille wieder vorsichtig in ihr Leben ein, hat eine neue Beziehung, arbeitet als Architektin. Doch da kommt Sullivan wieder. Und alles geht von vorn los: ein glückliches Liebespaar, das daran zerbricht, dass beide unterschiedliche Ansichten von Nähe haben. Oder auch daran, dass Sullivan beziehungsunfähig ist, je nachdem, wie man es sieht.
Wahrscheinlich gibt es im Leben jedes ehemals oder noch immer verliebten Menschen eine Phase, in der man sich solche Filme gern anguckt. Einfach nur, um das Gefühl zu haben, mit den Herzschmerzen nicht allein zu sein. Die junge Regisseurin Mia Hansen-Løve hat kunstvolle, bewegliche, elegant komponierte, manchmal auch prätentiöse Bilder für eine Geschichte gefunden, die dennoch schon tausendmal erzählt wurde. Wer es gerade braucht, kann sich wiederfinden und sein eigenes Leid durch Mitleid aufgefangen wissen. Die anderen müssen, trotz toller Darsteller, vermutlich ziemlich oft gähnen.
Jenni Zylka
Un amour de jeunesse, Frankreich, Deutschland 2011, Regie: Mia Hansen-Løve, Buch: Roselyne Bellec, mit Lola Créton, Sebastian Urzendowsky, Magne-Håvard Brekke, Valérie Bonneton u.a., OmU, o.A., 110 min, Kinostart: 27. September 2012 bei Peripher
Foto: © Peripher
Kommentare
(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)
Dein Kommentar
Kommentar schreiben
(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)