Wie beim ersten Mal

Der letzte Funken

Kinostart: 27.9.2012 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Niemand erwartet, dass nach dreißig Ehejahren die Leidenschaft füreinander unvermindert lodert. Aber Eintönigkeit muss auch nicht sein. Büromensch Arnold (Tommy Lee Jones) fühlt sich allerdings ganz wohl dabei, dass Frauchen Kay (Meryl Streep) jeden Morgen auf die gleiche Art das Frühstück zubereitet und abends mit dem Essen auf ihn wartet. Mental befindet er sich schon im Ruhestand und ist ziemlich zufrieden mit Rasenmähen und stillen Momenten auf der Veranda. Doch dann findet Kay in einem Buchladen den Ratgeber eines Psychologen (Steve Carrell), der eine Wochenend-Paartherapie im abgelegenen Hope Springs (so auch der schön doppeldeutige Originaltitel) anbietet. Nur mit vehementen Drohungen und unter Einsatz ihrer gesamten Ersparnisse kann Kay ihren Gatten zur Reise zwingen. Und dann sitzt das Paar auf dem Therapiesofa, verteilt auf beide Ecken, und hat sich zunächst nichts zu sagen.

Angesichts der demografischen Entwicklung der westlichen Länder ist es nur logisch, dass Hollywood für die wachsende Anzahl von älteren Kinobesuchern vermehrt mit Produktionen für diese Zielgruppe aufwartet. So dürfen die betagten Helden der "The Expendables" bereits zum zweiten Mal die Welt retten. Komödien gab es in den letzten Jahren hingegen häufiger, etwa "Wenn Liebe so einfach wäre". Allerdings führen die älteren Herrschaften sich hier allzu häufig kindisch auf, wohl um das junge Publikum nicht zu verschrecken. In David Frankels "Wie beim ersten Mal" tun sie das glücklicherweise nicht. Dennoch fällt es schwer, die Charaktere ernst zu nehmen, denn dem Script, das zwischen echtem Problemfilm und üblicher Hollywood-Komödienalbernheit laviert, fehlt es an Substanz. Man sollte annehmen, dass sich nach dreißig Jahren mehr angesammelt hat als der Frust über das allabendliche Einschlafen vor dem Fernseher. Unsäglich peinlich ist auch das ausgelutschte romantische Kerzenlichtdinner, das in einer vorhersehbaren Katastrophe endet. Nur in den ernsten Momenten, wenn das Paar nach Jahren wieder miteinander redet, zeigt sich das Potenzial der Geschichte, die eigentlich nur durch die beiden wunderbaren Hauptdarsteller erträglich ist. Und vor allem zeigt sich wieder einmal, dass Meryl Streep alles spielen kann und sogar in spießiger Vorstadtgarderobe noch ihre Würde bewahrt. Allein dafür lohnt sich fast schon ein Kinobesuch.
Ingrid Beerbaum

(Hope Springs) USA 2012, Regie: David Frankel, Buch: Vanessa Taylor, mit Meryl Streep, Steve Carell, Tommy Lee Jones, Jean Smart, Marin Ireland, Susan Misner u.a., ab 6, 100 min, Kinostart: 27. September 2012 bei Wild Bunch

Foto: © Wild Bunch



Mehr Infos zu "Wie beim ersten Mal"

"Hope Springs" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Wie beim ersten Mal"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Wie beim ersten Mal" auf filmz.de




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