David Kato, der 2011 ermordet wurde
Während man hierzulande fassungslos über den auf fluter.de publizierten Aussagen eines anonymen Fußballspielers sitzt, der von den Qualen des Sich-nicht-Outen-Könnens spricht, gibt es Länder auf dieser Welt, in denen die gesamte Gesellschaft weitaus archaischeren Prinzipien folgt als der bundesdeutsche Profifußball. Der schockierende Dokumentarfilm "Call me Kuchu" setzt sich mit der Lebenswirklichkeit von Schwulen und Lesben, Bi- und Transsexuellen – Kuchu genannt – in Uganda auseinander. Dabei zeichnen die Regisseurinnen Malika Zouhali-Worrall und Katherine Fairfax Wright das Bild einer Gesellschaft, in der ein von Politik und christlichem Fundamentalismus geprägtes, zutiefst reaktionäres Weltbild mit der Vorstellung von einem freien, selbstbestimmten Leben kollidiert.
"Call me Kuchu" begleitet den schwulen Menschenrechtsaktivisten David Kato in seinem Kampf gegen eine von fundamentalistischen Gruppierungen forcierte Gesetzesverschärfung im Umgang mit den Kuchu. Diese fordern lange Haftstrafen, ja sogar die Todesstrafe sowie die Pflicht, Angehörige der Kuchu-Community innerhalb von 24 Stunden anzuzeigen. Printmedien veröffentlichen zudem immer wieder Namen und Adressen, wodurch der Selbstjustiz Tür und Tor geöffnet wird.
Mit Naome, Stosh und Longjones kommen weitere von den Sanktionen Betroffene zu Wort. Kontrastiert werden diese biografischen Episoden von den Reden der Hassprediger. Einer von ihnen fordert, man "könne nicht zulassen, dass die Basis unserer Kultur von der westlichen Zivilisation zerstört wird". Die Zielrichtung dieser Argumentation ist klar: Man versucht, die Bevölkerung durch das Schüren von Ängsten auf die eigene Seite zu ziehen, indem man behauptet, Homosexualität sei ein von der westlichen Welt injiziertes Gift. Nichts Natürliches, sondern etwas Abnormes. David Kato ist Anfang 2011 während der Dreharbeiten ermordet worden. Sein Kampf geht weiter.
Andreas Resch
Call me Kuchu (Dokumentarfilm), USA, Uganda 2012, Buch & Regie: Malika Zouhali-Worrall, Katherine Fairfax Wright, mit David Kato Kisule, Naome Ruzindana, Stosh Mugisha, Giles Muhame u.a., OmU, ab 12, 90 min, Kinostart: 20. September 2012 bei arsenal distribution
Foto: © Katherine Fairfax Wright
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