Die Kunst sich die Schuhe zu binden

Supertalente mit Klettverschluss

Kinostart: 20.9.2012 | Melanie Dorda | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Mit der Schauspielkarriere ist es vorerst vorbei, als Alex wegen seiner wilden Improvisationslust aus dem Theater rausfliegt. Wenig später setzt ihn seine Freundin vor die Tür, weil ihm das Verantwortungsbewusstsein fehlt. Da er nun auf einen Schlag Job, Geld und Wohnung braucht, nimmt er den ersten und einzigen Job an, den das Arbeitsamt ihm anbietet: als Betreuer in einem Behindertenheim in der Provinz. Doch auch dort gerät er gleich mit seiner Kollegin aneinander, einer Verfechterin fester Regeln, denn Alex ist nicht pünktlich und hinterfragt alles. Beispielsweise sieht er nicht ein, warum die Gruppe jeden Tag aufs Neue das Schuhebinden üben muss. Schließlich gibt es Klettverschlüsse, und die von ihm betreuten Ebbe, Leif, Filippa, Katarina, Kristina und Kjell-Åke könnten stattdessen tun, wozu sie Lust haben. Singen und Tanzen macht ihnen viel mehr Spaß, und darin sind sie richtig gut. Gegen alle Widerstände – von den Eltern und von Alex' Vorgesetzten – meldet er seine Gruppe zu "Schweden sucht den Superstar" an. Aber es läuft alles ganz anders als geplant …

Die Story der Komödie ist inspiriert von der Geschichte des Glada-Hudik-Theaters, dessen Ensemble aus Menschen mit Behinderung besteht. Gegründet wurde es 1996, als Pär Johansson, Betreuer in einem Tageszentrum für geistig behinderte Menschen, dort ein Theaterprojekt startete. Seine Erfahrungen sind in das Drehbuch zu "Die Kunst sich die Schuhe zu binden" mit eingeflossen. Wie sein Alter Ego Alex musste er zu Beginn seines Projekts viele Bedenken ausräumen. Mittlerweile feiert das Glada-Hudik-Theater in ganz Schweden Erfolge und erntete sogar am New Yorker Broadway Applaus. Die Theater-Darsteller haben auch die Hauptrollen in der Komödie übernommen. Ganz ohne das Klischee von der Underdog-Gruppe, die wider jede Wahrscheinlichkeit nur durch Teamgeist und Beharrlichkeit ihr Ziel erreicht, kommt der Film leider nicht aus. Doch er spielt gekonnt mit Vorurteilen über Menschen mit Behinderung und überzeugt mit seinen herrlich unverkrampften Charakteren. Manch einem mag aber die positive Message etwas zu aufgesetzt erscheinen. Ungleich gelungener, weil weniger süßlich und provokanter, ist Niko von Glasows Film "Alles wird gut" mit ähnlichem Thema, der am 1. November 2012 startet.
Melanie Dorda

(Hur många lingon finns det i världen?) Schweden 2011, Regie: Lena Koppel, Buch: Lena Koppel, Trine Piil Christensen, von mit Sverrir Gudnason, Vanna Rosenberg, Mats Melin, Theresia Widarsson, Bosse Östlin u.a., o.A., 101 min, Kinostart: 20. September 2012 bei MFA+

Foto: © Copyright MFA+ FilmDistribution e.K.



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