Kleine Morde

Böses Spiel

Kinostart: 20.9.2012 | Susanne Sitzler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Die Idee ist nicht so weit hergeholt: Immer wieder stehen Jugendliche wegen brutaler Verbrechen oder sogar Mord in den Schlagzeilen. Zuletzt erschütterte der sogenannte Facebook-Mord die Öffentlichkeit – danach hat ein 14-Jähriger eine 15-Jährige ermordet, weil sie Gerüchte über Facebook verbreitet haben soll.

"Kleine Morde" nimmt die Debatte über Jugendkriminalität auf und spielt in einer Zukunft, in der sich Kinder und Jugendliche wie Erwachsene vor Gericht verantworten müssen. Ausgerechnet Musterschüler Martin, dessen Vater als Richter arbeitet, gerät in den Verdacht, einen Jungen brutal ermordet zu haben. Die Indizien sprechen gegen ihn – Fingerabdrücke wurden am Tatort gefunden, sein Alibi wackelt. Die Medien stürzen sich auf den Fall. Und Martin spielt mit seinen Freunden, seiner Anwältin und der Polizei ein Spiel, in dem selbst der Zuschauer zeitweise – und das ist gut – nicht mehr weiß, wer Täter oder Opfer ist.

Leider krankt das düstere Jugenddrama an der Plausibilität der Geschichte. Gerade zum Schluss werden die Beweggründe der Hauptfigur nicht mehr veranschaulicht und erscheinen dadurch willkürlich. Den Gewaltfantasien wird viel Raum gegeben, eine Erklärung dafür gibt es nicht. Eindrucksvolle Bilder schaffen es zwar zeitweise, eine beklemmende Atmosphäre und Spannung zu erzeugen, im Großen und Ganzen fehlt dem Film aber die rechte Intention.

Ist "Kleine Morde" Drama, Krimi oder Thriller? Thematisiert der Film die Manipulation von Freundschaft? Das Erwachsenwerden? Das Außenseitertum? Der Genre-Mix, den Regisseur Adnan G. Köse ("Homies") auftischt, wirft zu viele Fragen auf und verliert sich dadurch in der Oberflächlichkeit – dabei wäre es durchaus interessant gewesen, den Konflikt zwischen dem cleveren Martin und seinem zehn Jahre älteren Freund oder die Beziehung Martins zu seinem fordernden Vater deutlicher auszuarbeiten.
Susanne Sitzler

Kleine Morde, Deutschland 2011, Buch & Regie: Adnan G. Köse, mit Paul Falk, Ann-Kathrin Kramer, Uwe Ochsenknecht, Günther Kaufmann, Jimi Blue Ochsenknecht u.a., ab 16, 93 min, Kinostart: 20. September 2012 bei StudioCanal

Foto: © StudioCanal



Mehr Infos zu "Kleine Morde"

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