Das Bourne Vermächtnis

Bourne heißt jetzt Cross

Kinostart: 13.9.2012 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Verlässt ein Regisseur aus Mangel an Motivation ein erfolgreiches Franchise, das er maßgeblich geprägt hat, ist das ein schlechtes Zeichen. Folgt ihm auch noch sein Hauptdarsteller, gewissermaßen das Gesicht der Serie, spricht man in Hollywod neuerdings von einem "Reboot". "Das Bourne Vermächtnis", der vierte Film um Robert Ludlums Superagenten, muss ohne Regisseur Paul Greengrass und seinen Star Matt Damon auskommen; genau genommen ist selbst Titelheld Jason Bourne nicht mehr mit von der Partie. Jeremy Renner schlüpft in die Rolle des Superagenten Aaron Cross, der im Geiste Jason Bournes durch den Film von Tony Gilroy hetzt. Am Anfang taucht Cross in Alaska nach einer Dose mit bunten Pillen und trifft in der Wildnis auf einen Agenten-Kollegen, welcher einem Dronen-Angriff zum Opfer fällt. Cross entkommt knapp. Währenddessen begeht ein Labortechniker in einer zivilen Forschungseinrichtung ein Massaker an seinen Kollegen. Cross ist Teil eines Programms von genetisch manipulierten Superagenten, dem die CIA angesichts eines öffentlichen Untersuchungsausschusses zum "Fall Jason Bourne" den Stecker gezogen hat. Alle Mitwisser, bis auf Cross, werden eliminiert.

Gilroy bemüht sich, kleine Spuren zwischen "Das Bourne Vermächtnis" und den drei vorangegangenen Filmen zu legen, um so etwas wie Kohärenz zu erzeugen. Das Legitimitätsproblem, ein Sequel ohne seine Hauptfigur abzuliefern, handhabt Tony Gilroy, Autor der ersten drei Teile, souverän. Sein Film gibt sich von der ersten Minute an geschäftig. Gilroy synchronisiert die globalen Einsatzorte, ohne dass lange Zeit klar ist, wo die einzelnen Handlungsstränge eigentlich zusammenlaufen. Als Cross und die einzige Überlebende des Labor-Amoklaufs, eine Neurologin, endlich an einem Ort vereint sind, nimmt "Das Bourne Vermächtnis" etwas an Fahrt auf, wie es sich für einen Film der "Bourne"-Reihe gehört.

Actionszenen gehören allerdings nicht zu den Stärken Gilroys. Wer sich an das Erzähltempo und die kinetische Energie von Greengrass' Filmen gewöhnt hat, wird sich von Gilroys Regie regelrecht sediert fühlen. Gilroy entschleunigt den frenetischen Geschwindigkeitsrausch der Trilogie, der für das physische Actionkino der letzten Jahre so paradigmatisch geworden ist. "Das Bourne Vermächtnis" nimmt sich ausgesprochen viel Zeit, seine komplexen Konflikte und Partikularinteressen aufzudröseln. Damit hebt er sich wohltuend vom Gros der aktuellen Actionfilme ab. Die finale Hetzjagd über die Dächer von Manila scheint da noch eine Konzession an die ersten Bourne-Filme zu sein. Dafür hat Gilroy mit Renner einen adäquaten Damon-Ersatz gefunden. Renner gehört momentan zu den wenigen Actiondarstellern, die die physischen Anforderungen an die Rolle des Kämpfers mit einer sozialen Kompetenz verbinden. Damit überzeugt "Das Bourne Vermächtnis" trotz der Bürde durchaus als eigenständiger Film.
Andreas Busche

(The Bourne Legacy) USA 2012, Regie: Tony Gilroy, Buch: Tony Gilroy, Dan Gilroy, mit Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton, Stacy Keach, Oscar Isaac u.a., ab 12, 134 min, Kinostart: 13. September 2012 bei Universal

Foto: © Universal Pictures



Mehr Infos zu "Das Bourne Vermächtnis"

"The Bourne Legacy" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Das Bourne Vermächtnis"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Das Bourne Vermächtnis" auf filmz.de




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