Das grüne Wunder - Unser Wald

Heimatkunde im Kino

Kinostart: 13.9.2012 | Stefan Brückner | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Nach Dokumentationen aus Arktis und Serengeti wird nun endlich der heimische Wald entdeckt – zumindest im Kino. Nicht schon wieder eine dröge Doku, möchte man abwehren. Doch "Das grüne Wunder" serviert keine langweiligen Details, sondern unzählige Facetten aus Flora und Fauna mundgerecht auf dem Silbertablett. Zu verdanken ist dies den leidenschaftlichen Naturliebhabern um den bekannten Dokumentarfilmer Jan Haft. Sein neues Bildspektakel entstand an mehr als 70 Orten in hiesigen Gefilden, inklusive 100 Nächten im Tarnzelt und 250 Stunden Rohmaterial. Der Film beweist: Auch in mitteleuropäischen Wäldern gibt es eine spannende Artenvielfalt. Man muss nur genau hinsehen.

Deshalb legt "Das gründe Wunder" seinen Fokus mehr auf spektakuläre Aufnahmen als auf eine ausgeklügelte Erzählweise. Eigentlich ist das nur konsequent. Mussten die großen Naturdokumentation in den 1950er-Jahren wie etwa Disneys "Die Wüste lebt" (1953) von ihren Geschichten leben – die Anleihen wurden natürlich in der menschlichen Lebenswelt gesucht –, bieten sich nun durch den Fortschritt in der Kameratechnik ungeahnte Möglichkeiten, in jede noch so kleine Welt der Tiere einzudringen. Zum Beispiel bieten Makroaufnahmen von Lebensformen wie Knotenameisen oder Hirschkäfern einen messerscharfen Einblick in das Wirken der Insekten. Es ist der Geduld der Filmemacher zu verdanken, dass so Schauspiele wie das Vertreiben einer Feldmaus aus ihrem Bau durch eine aggressive Bienenkönigin oder die Flugkünste eines Sperberpaares, das sich die Beute für ihre Jungen in der Luft übergibt, zu bewundern sind. Sogar der Pollenflug von Nadelhölzern oder das Wachstum von Walderdbeeren werden mit Hilfe von Zeitraffer und orchestraler Begleitung zu magischen Momenten. So werden ohne feste Rahmung die großen und kleinen Wunder des Biotops Wald in Szene gesetzt. Allein die vier Jahreszeiten schaffen so etwas wie eine Dramaturgie und größeren Zusammenhang zwischen den kleinen Episoden.

Regisseur Jan Haft setzt mehr auf den Sensationsansatz als auf eine exakte Studie des Lebensraums. Ihm erscheint die Übertragung von Stimmungen wichtig, an einigen Stellen übertreibt der Film es aber mit dem ästhetisch-technischen Ansatz. Wenn ein Insekt durch einen Regentropfen, der auf ein Blatt niedergeht, durch die Luft gewirbelt wird, klingt das nach Hollywood und nicht nach Harz. Auch die orchestrale Begleitung arbeitet mit zu viel Bombast. Atemberaubend ist das Zusammenspiel allemal. Prominent kommentiert werden die Sequenzen von Benno Fürmann, der mit recht simplem Text Licht ins Dunkel des Waldes bringen soll. Er überfrachtet nicht mit Informationen, schließlich haben die Bilder die klare Herrschaft im Film.

Durch bislang ungekannte Phänomene und die Sensibilisierung auf das Ökosystem im Wald ist die Dokumentation vor allem für ganz junge Zuschauer sowohl lehrreich als auch faszinierend. Aber nicht nur Kinder geraten ins Staunen – der Film bringt alle Altersgruppen zusammen. Wir lernen: Im Wald geht nichts verloren, alles steht in einem Gleichgewicht.
Stefan Brückner

Das grüne Wunder – Unser Wald (Dokumentarfilm), Deutschland 2012, Regie: Jan Haft, Buch: Jan Haft, Herwig Lawitzky, o.A., 93 min, Kinostart: 13. September 2012 bei Polyband

Foto: © Polyband



Mehr Infos zu "Das grüne Wunder - Unser Wald"

"Das grüne Wunder - Unser Wald" - die offizielle Filmwebseite
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