Das verborgene Gesicht

Mann als Beute

Kinostart: 13.9.2012 | Alexandra Seitz | Kommentar schreiben | Artikel drucken

So was kommt von so was. Weil sie die Ernsthaftigkeit der Liebe ihres Freundes Adrián auf die Probe stellen will, täuscht Belen vor, sie habe diesen verlassen, und versteckt sich im Panic Room des gemeinsamen Hauses. Dummerweise lässt sie den Schlüssel draußen liegen und ist, fortan eingesperrt, dazu verurteilt, das Treiben des Geliebten durch Einwegspiegel zu beobachten. Ungehört verhallen ihre Hilferufe im schalldicht isolierten Raum. Vergeblich bleibt ihr Schmerzgeheul, als Adrian sich vor ihren Augen ahnungslos mit einer anderen tröstet.

Die Grundidee von Andrés Baiz' Thriller "Das verborgene Gesicht" ist ziemlich fies. Und jene Szene, in der Belen gezwungenermaßen Zeugin der enthemmten Rammelei zwischen Adrián und dessen neuer Flamme Fabiana wird, ist geradezu ausgekocht boshaft. Regelrecht unverzeihlich gemein aber wird es, als Fabiana, die nicht so dumm ist, wie sie aussieht, den geheimen Raum und sein Geheimnis zwar entdeckt, aber nicht öffnet und also nicht hilft und auch nicht rettet. Denn Fabiana will den Kerl, der im Übrigen keine Offenbarung, sondern ein ziemlicher Depp ist, nicht mehr hergeben.

Regisseur und Drehbuchautor Baiz gestaltet jene machistische Wahnvorstellung, in der die Frauen manipulierende und heimtückische Biester sind und Männer unschuldige und unwissende Opfer, in die diese ihre Krallen schlagen. Einen Albtraum, in dem eifersüchtige Furien über Leichen gehen, um das einmal erbeutete Jagdvieh unter der Fuchtel zu behalten. Das ist natürlich ein fürchterlich klischeehaftes, ja geradezu steinzeitliches Bild vom Verhältnis der Geschlechter, aber es war und ist genrefilmtauglich und im vorliegenden Fall aufgrund seiner grotesken Überdrehtheit sogar immer wieder mal recht witzig. Zumal die beiden Aktricen Clara Lago und Martina García sich nicht lumpen lassen und die bösen Frauenbilder mit sichtlichem Gusto an Zickigkeit und Hysterie mit sadistischem Leben füllen. Während Quim Gutiérrez in der Rolle des armen Tropfs ein eben solcher bleibt. Der jedoch kein Mitleid verdient, denn schließlich ist auch die Figur des Adrián nicht mehr als ein Funktionsträger: Sinnbild des ewig flirtenden, wesentlich untreuen Don Juan, als solcher Schuld am Elend des Weibes, das wiederum dumm genug ist, auf einen solchen Kerl hereinzufallen. Und angesichts des statthabenden Zickenkrieges, den der Mann im Bett mit einer dritten ausliegt, stellt sich die Frage, wer hier eigentlich über Leichen geht, am Ende noch einmal ganz neu.
Alexandra Seitz

(La Cara Oculta) Kolumbien, Spanien 2011, Regie: Andrés Baiz, Buch: Andrés Baiz, Hatem Khraiche, mit Quim Gutiérrez, Martina García, Clara Lago, Alexandra Stewart, Marcela Mar u.a., ab 12, 95 min, Kinostart: 13. September 2012 bei 20th Century Fox

Foto: © 2012 Twentieth Century Fox



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