Dina (Sarah Horváth) und Basti (Sebastian Bezzel)
Woran denkt man nördlich des Mains, sagen wir mal: in Hildesheim, wohl so, wenn man an München denkt? Ans Oktoberfest, vermutlich. An Blasmusik. An Weißwürste. Wer sich ein wenig besser auskennt, womöglich gar an die Nobeldisco P1. Ein unvollständiges Bild der bayerischen Landeshauptstadt ist das? Vollkommen richtig. In seinem Kurzfilm "Neuschwanstein Conspiracy" von 2005 hatte Ingo Rasper, Regisseur und Hildesheimer, all diese Postkartenklischees auch noch richtig lustvoll unterwandert, oder besser: von imperialistischen Ami-Schweinen in die Luft sprengen lassen.
In seiner neuen Arbeit "Vatertage - Opa über Nacht" hat er nun barocke Gemütlichkeit, sympathisches Grantlertum und turbulente Familienkomödie einigermaßen gelungen ausbalanciert. Denn bei dem Hallodri Basti (Sebastian Bezzel), der gemütlich, grantelnd und deshalb recht erfolglos ein Fahrradrikscha-Unternehmen führt, steht eines Tages die 17-jährige Dina (Sarah Horváth) aus Bitterfeld vor der Türe. Sie behauptet, seine Tochter zu sein, das mitgebrachte Baby Paul folglich Bastis Enkel, und für 15.000 Euro wäre sie morgen schon wieder aus seinem Leben verschwunden.
Wie lange es aber wohl tatsächlich dauert, bis einer wie Basti 15.000 Euro aufgetrieben hat? Lange genug jedenfalls für Weißwurstexzesse mit anschließender Übelkeit, für einen waschechten Beischlafdiebstahl – und vielleicht sogar lange genug, um einander ein wenig mögen zu lernen. Unterwegs dorthin interessiert sich Ingo Rasper hingegen nicht für das Urwüchsige, das Besondere, womöglich gar Hässliche oder das versteckte Elend abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Kein Bild von München gibt es, das nicht längst weit über die Freistaatsgrenzen hinaus bekannt wäre und, weitaus ärgerlicher, auch keine Wendung in der Handlung, die über das Vorhersehbare hinausginge. Wobei: Heiner Lauterbach – ja, der mit den Alkoholexzessen und Weibergeschichten – spielt Lambert, den spät geouteten Vater von Basti mit einem Schlenkern, einer Lässigkeit und einem verschmitzten Selbstbewusstsein, als sei dies die Rolle seines Lebens. Lauterbach als schwuler Ur-Opa – das bleibt dann doch im Gedächtnis.
Tim Slagman
Vatertage - Opa über Nacht, Deutschland 2011, Regie: Ingo Rasper, Buch: Thomas Bahmann, Ralf Hertwig, mit Sebastian Bezzel, Sarah Horváth, Monika Gruber, Heiner Lauterbach, Adam Bousdoukos, Christiane Paul u.a., o.A., 93 min, Kinostart: 13. September 2012 bei StudioCanal
Foto: © StudioCanal Filmverleih
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