Wir wollten aufs Meer

Freund oder Feind?

Kinostart: 13.9.2012 | Thomas Winkler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Nicht nur Bundespräsident Joachim Gauck lobt unermüdlich den Freiheitsdrang der DDR-Bürger. Tatsächlich wäre wohl so ziemlich jeder Bewohner des Arbeiter- und Bauernstaates gern mal auf die andere Seite der Mauer gefahren, um zu gucken, wie es denn da so ist. Aber ob sie alle dann auch hätten bleiben wollen? Die Stimmung in der DDR war weniger geprägt von einer Sehnsucht nach Freiheit als vielmehr von Fernweh. Exemplarisch für diese Stimmung schickt "Wir wollten aufs Meer" seine beiden Protagonisten im Jahr 1982 nach Rostock. Dort hoffen Cornelis (Alexander Fehling) und Andreas (August Diehl) als Matrosen anheuern zu können, bekommen aber nur Jobs als Lastesel im Überseehafen. Nun haben sie jeden Tag die große, weite Welt direkt vor Augen, aber die Erfüllung ihres Traums scheint mit jedem Tag unwahrscheinlicher zu werden. Bis sich die beiden der Staatssicherheit als Spitzel andienen und eine Kette dramatischer Ereignisse in Gang setzen, die einen der beiden Freunde in den Knast bringen wird, den anderen zum Krüppel macht und eine Freundschaft für immer zerstört.

Regisseur Toke Constantin Hebbeln versucht die deutsch-deutsche Geschichte mit den Mitteln des Hollywood-Kinos zu erzählen. In geschmackvoll durchkomponierten Einstellungen und mit durchweg hervorragend agierenden Schauspielern lässt er dazu keine dramatische Wendung und kein großes Gefühl aus. Dass der Plot mitunter arg konstruiert wirkt, ließe sich ebenso übersehen wie die – mal wieder – klischeegetränkte Darstellung der Stasi oder die Inszenierung der DDR als graues Einerlei in farbentsättigten Bildern. Nur angesichts des eigenen Anspruchs, große Geschichte als emotionsgeladenes Drama auf die Kinoleinwand zu gießen, wirkt "Wir wollten aufs Meer" in den entscheidenden Momenten dann doch einen Tick zu hausbacken – gerade im Vergleich zu einem stringent mit den eigenen Mitteln haushaltenden Film wie "Barbara", der, wenn auch mit einer vollkommen anderen Ästhetik, eigentlich von genau demselben Fernweh erzählt.
Thomas Winkler

Wir wollten aufs Meer, Deutschland 2011, Regie: Toke Constantin Hebbeln, Buch: Ronny Schalk, Toke Constantin Hebbeln, mit Alexander Fehling, August Diehl, Ronald Zehrfeld, Sylvester Groth, Rolf Hoppe u.a., ab 12, 116 min, Kinostart: 13. September 2012 bei Wild Bunch

Foto: © Wild Bunch Germany



Mehr Infos zu "Wir wollten aufs Meer"

"Wir wollten aufs Meer" - die offizielle Filmwebseite
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