Dichter und Kämpfer

Wortgefechte

Kinostart: 6.9.2012 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Fünf Minuten. Mehr hat ein Poetry-Slammer meist nicht, um die Zuhörerschaft von sich und seinem vorgetragenen Text zu überzeugen. Denn es geht hier nicht nur um das geschriebene Wort, sondern vor allem um die möglichst unterhaltsame Performance; ein Grund für die Popularität von Poetry-Slams. Trotzdem oder gerade deswegen stellen sich auf den unzähligen Slam-Bühnen der Republik tagtäglich junge Menschen dem gnadenlosen Urteil des Publikums.

Vier dieser jungen Poeten aus verschiedenen Städten hat Regisseurin Marion Hütter in ihrer Dokumentation "Dichter und Kämpfer" ein Jahr lang bis zur deutschen Slam-Meisterschaft begleitet. Hütter ist selbst erklärter Fan von Poetry-Slams und macht aus ihrer Sympathie für die sehr unterschiedlichen Protagonisten keinen Hehl. Am bekanntesten ist wohl "Sebastian23". Er tritt in diversen Fernsehformaten auf, hat die deutsche Meisterschaft 2010 mit organisiert und will Poetry-Slams noch populärer machen. Der Leipziger Julius Fischer hingegen steht für die Off-Kultur-Wurzeln der Szene und will Schriftsteller werden, während Philipp "Scharri" Scharrenberg seinen deutschen Meistertitel nutzt, um eine Karriere als Kabarettist zu starten. Einzige weibliche Protagonistin ist der frische Szene-Liebling Theresa Hahl, die erst noch lernen muss, mit der ungewohnten Popularität umzugehen.

Hütter zeigt die vier bei ihren Auftritten vor und hinter der Bühne, im Alltag und bei ihren unterschiedlichen Nebenprojekten und gibt so einen authentischen wie kurzweiligen Einblick in die inzwischen riesige Szene, die sich dennoch als Familie sieht. Ehrlich und unverstellt lassen die Slammer den Zuschauer an ihrem Leben und Ringen mit der Kunst teilhaben und sprechen über ihre beruflichen wie privaten Träume und Wünsche. Es braucht viel Idealismus und Ausdauer, um dabei zu bleiben, denn einen auskömmlichen Beruf kann man daraus nicht machen. Julius Fischer ist dabei der Radikalste. Ihm geht es nicht um Ruhm oder viel Geld, er kann und will einfach nichts anderes als Schreiben, sagt er, und hat mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Slam-Szene seine Probleme. Bei den anderen beiden Herren ist das nicht so sicher. Trotz aller Nachdenklichkeit macht der Film schon allein durch die unterhaltsamen Performances Spaß und kann hoffentlich noch mehr Freunde für diese Literaturform gewinnen.
Ingrid Beerbaum

Dichter und Kämpfer (Dokumentation), Deutschland 2011, Buch & Regie: Marion Hütter, mit Sebastian23, Theresa Hahl, Julius Fischer, Philipp Scharrenberg u.a., o.A., 89 min, Kinostart: 6. September 2012 bei MFA+

Foto: © Copyright MFA+ FilmDistribution e.K.



Mehr Infos zu "Dichter und Kämpfer"

"Dichter und Kämpfer" - die offizielle Filmwebseite
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