Die Fee

Aus Zeit und Raum gefallen

Kinostart: 6.9.2012 | Kristina Detemple | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Ein heruntergekommenes Hotel in Le Havre, verblasste goldene Buchstaben an der gekachelten Fassade. Nachtwächter Dom (Dominique Abel) schwankt zwischen Langeweile und Genervtheit, wenn doch vereinzelt Gäste auftauchen. Etwa Fiona (Fiona Gordon), die behauptet, eine Fee zu sein. Dom und Fiona treffen sich auf ein Bier in einer skurrilen Bar, Dinah Washington singt "What a difference a day makes" auf altem Vinyl. Eine Liebesgeschichte also, ein Märchen. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht verschwindet Fiona. Dom findet sie in der Psychiatrie wieder – und es beschleicht einen zum ersten Mal das Gefühl, dieser Film könnte doch von der Realität handeln. Einer Realität jedoch, die nicht an ein Land oder Jahr gebunden ist, sondern absichtlich aus Zeit und Raum fällt, um universale menschliche Themen zu zeigen.

"Die Fee" erzählt mit statischen Kameraeinstellungen und wenig Dialog die Geschichte von Menschen, die laufen. Doch sie laufen nicht nur davon, sondern auch zu etwas hin, denn sie sind auf der Suche nach einem glücklichen Leben. Ob Fiona und Dom, ein einsamer Engländer mit Hund, ein sehbehinderter Wirt (Bruno Romy) oder drei Illegale – alle balancieren am Rande der Gesellschaft, die weder näher beschrieben noch bewertet wird. "Unvollendete Prototypen von Menschen" nennt Regisseurin Fiona Gordon die Figuren, die wie alle Menschen behindert seien, "die einen mehr, die anderen weniger". Bemerkenswert ist, dass die Komik des Films zwar auf die Defizite seiner Figuren setzt, sie dabei aber zu keiner Zeit ins Lächerliche zieht. Man kann von den etwas langatmigen Slapstick-Szenen, Spezialeffekten aus den Anfangszeiten des Kinos und klassischem Stummfilm-Humor genervt sein – oder die komödiantische Kunst darin erkennen und sich darauf einlassen.

Wenn am Ende Louis Armstrongs "It's wonderful" erklingt, obwohl immer noch alle am Laufen sind und im Grunde nichts in Ordnung ist, schwingt die Frage mit, ob nicht einfach jeder ein Recht auf Glück hat. Glück, das vielleicht weit von Perfektion entfernt zu finden ist.
Kristina Detemple

(La fée) Frankreich, Belgien 2011, Buch & Regie: Dominique Abel, Fiona Gordon, Bruno Romy, mit Dominique Abel, Fiona Gordon, Philippe Martz, Bruno Romy, Vladimir Zongo u.a., o.A., 94 min, Kinostart: 6. September 2012 bei Pandastorm Pictures

Foto: © Pandastorm Pictures



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