Herr Wichmann aus der dritten Reihe

Ein Politiker aus Brandenburg

Kinostart: 6.9.2012 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Herr Wichmann hat es geschafft. Fast zehn Jahre nach seinen vergeblichen Bemühungen um ein Bundestagsmandat sitzt der 33-jährige Politiker für die CDU im Brandenburgischen Landtag auf der Oppositionsbank. Grund genug für Filmemacher Andreas Dresen, "seinem" Protagonisten erneut einen Besuch abzustatten, dem "Herrn Wichmann von der CDU" aus dem gleichnamigen Dokumentarfilm, der nun "in der dritten Reihe" sitzt.

Neben dem Landtagsmandat hat sich inzwischen einiges in Henryk Wichmanns Leben verändert. Er ist Anwalt, verheiratet und hat drei Kinder. Sein ungebrochener Enthusiasmus ist ihm aber geblieben und so stürzt er sich mit Verve in die neue Aufgabe und die Mühen der lokalpolitischen Ebene, was man in Brandenburg auch geografisch wörtlich nehmen kann. Denn das tägliche Politikerdasein ist alles andere als glamourös. Mit stoischer Gelassenheit hört er sich die Beschwerden miesepetriger Rentnerinnen oder die Ansichten eines älteren Herren über die mangelnde Hygiene seiner Mitmenschen an, schlichtet Nachbarschaftsstreits und besucht Seniorenmessen. Da ist der Clinch zwischen der Deutschen Bahn und einem privaten Bahnbetreiber um den Halt im Dörfchen Vogelsang schon ein Abenteuer. Und erst der Schreiadler, der hat in Brandenburg schon vieles verhindert!

Dresen lässt wie auch schon im ersten Film die Bilder und seinen Protagonisten für sich selbst sprechen. Dabei bewahrt er trotz aller Sympathie immer genügend Abstand zu seinem denkbar uncoolen Anti-Helden, mit dem wir ein Jahr lang die Höhen und Tiefen eines Lokalpolitikers erleben. Die Teilhabe an seinem mitunter absurden Alltag wird dabei zum unterhaltsamen Lehrstück über dieses schwierige Geschäft und zeigt, wie widersinnig und kleinteilig politische Arbeit sein kann. Genau das hat Dresen selbst am meisten erstaunt, sagt er. Manch anderer würde dabei schnell zum Zyniker werden. Henryk Wichmann macht unbeirrt weiter, wie auch schon in seinem aussichtslosen Wahlkampf vor gut zehn Jahren. Dass das mitunter komische Momente hat, ist ihm bewusst. Aber er meint sein Engagement immer ehrlich, was auch bei der zweiten filmischen Begegnung weiterhin für ihn einnimmt, auch wenn man parteienpolitisch nicht seiner Meinung ist. Nach diesem Film kann man nur hoffen, dass es möglichst viele solch redlicher Arbeiter in allen Parteien geben möge.
Ingrid Beerbaum

Herr Wichmann aus der dritten Reihe (Dokumentarfilm), Deutschland 2012, Buch & Regie: Andreas Dresen, mit Henryk Wichmann u.a., o.A., 90 min, Kinostart: 6. September 2012 bei Piffl Medien

Foto: © Peter Hartwig



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