Late Bloomers

When I'm 64

Kinostart: 6.9.2012 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Man ist so jung, wie man sich fühlt. Sagt man. Aber irgendwann kommt der Tag, an dem man im Bus einen Platz angeboten bekommt oder Werbung für Treppenlifte ins Haus flattert. Bis dahin ist es für das Londoner Ehepaar Mary und Adam noch lange Zeit, meinen sie zumindest. Sie sind seit dreißig Jahren glücklich verheiratet und haben drei erwachsene Kinder. Adam ist erfolgreicher Architekt, Mary übersetzt als Halbitalienerin und ehemalige Lehrerin zum Zeitvertreib mal einen Text ins Englische. Eigentlich könnten sie ihr Leben genießen, aber Mary (Isabella Rossellini) plagt ihre zunehmende Vergesslichkeit. Der Arzt meint, sie sei kerngesund, nur mehr Bewegung würde ihr nicht schaden. Als sie sich bei einem Aqua-Gymnastikkurs anmeldet, merkt sie, dass sie für die Männer im Fitnessclub quasi unsichtbar geworden ist. Adam (William Hurt) hat ganz andere Sorgen: Gerade hat er für ein Projekt seiner jungen Mitarbeiter Feuer gefangen und muss feststellen, dass seine große Zeit als innovativer Architekt vielleicht vorbei ist. Die Schwärmerei einer jungen Kollegin für ihn ist dennoch so schmeichelhaft wie verführerisch. Als nun Mary aus übertriebener Angst vorm Alter auch noch beginnt, vorauseilend das Haus seniorengerecht auszustatten, wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt.

"Best Agers" nennt man im Werbejargon die Generation um die 60, die ganz anders ist als alle "Alten" davor und mittlerweile einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt. Das wird Regisseurin Julie Gavras, die Tochter des griechischen Filmemachers Costa-Gavras, allerdings nicht im Sinn gehabt haben. Eher ist "Late Bloomers" eine Art Hommage an ihre Elterngeneration, die sich eben nicht aufs Altenteil setzt, sondern, wie der Titel sagt, noch ungeahnte Blüten hervorbringt. Leider hat sie sich bei ihrer Geschichte zu sehr auf die Strahlkraft der beiden Hauptdarsteller verlassen und weniger auf eine stimmige Dramaturgie. Denn der als Komödie angelegte Plot funktioniert nur selten als solche. Zugegeben, es gibt durchaus komische Momente, etwa wenn Adam sich weigert den neuen Badewannen-Handgriff zu benutzen und es notgedrungen doch tun muss oder die bereits erwähnte Schwimmbadszene. Insgesamt geht der Film aber zu oberflächlich mit seiner Problematik um und lässt die eigentlich erwartbaren Überspitzungen schmerzlich vermissen. Wegen der beiden Hauptakteure und vor allem wegen der immer noch schönen und tollen Isabella Rossellini lohnt dennoch ein Kinobesuch, am besten mit den Eltern.
Ingrid Beerbaum

Late Bloomers, Frankreich 2011, Regie: Julie Gavras, Buch: Julie Gavras, Olivier Dazat, mit Isabella Rossellini, William Hurt, Doreen Mantle, Kate Ashfield, Aidan McArdle u.a., o.A., 95 min, Kinostart: 6. September 2012 bei Movienet

Foto: © Movienet



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