Männer zum Knutschen

Kino zum Wegrennen

Kinostart: 6.9.2012 | Alexandra Seitz | Kommentare (3) | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Neuberliner Ernst Knuddelmann kommt aus einer Kleinstadt und ist ein eher dem Konventionellen zugeneigter, Gemütlichkeit und Ruhe schätzender Bankangestellter. Tobias Rückert dagegen ist ein veritables Berliner Szene-Gewächs, ein Hansdampf in allen Gassen, ein von exzentrischen Einfällen überquellender Paradiesvogel. Weil Gegensätze sich anziehen, sind die beiden ein Paar. Es sieht sogar danach aus, als könne es die ganz große Liebe werden, als Ernsts alte Sandkastenfreundin Uta zu Besuch kommt und die Beziehung einer Bewährungsprobe unterzieht, indem sie sich kurzerhand zwischen die beiden drängt. Ver- und Entwirrungen der unplausibelsten Art folgen.

Eine Weile glaubt man, es bei Robert Hasfogels Debüt-Klamotte "Männer zum Knutschen" mit einer Satire zu tun zu haben. Einem Film, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, sich angelegentlich an bis zur Schmerzgrenze überzogenen homo- und heterosexuellen Klischees abzuarbeiten und diese dabei bis zur Kenntlichkeit zu entstellen. Dann aber dämmert die erschreckende Erkenntnis, dass der zunehmend groteskere Züge annehmende Humbug, der sich da vor unseren Augen zuträgt, tatsächlich den ernsthaften Versuch einer Komödie darstellt. Anvisiertes Genre war vermutlich die spritzige Boulevardkomödie, gelandet aber ist man stattdessen im hanebüchenen Schmierentheater. Und zwar mit Karacho. Denn weder von Figurencharakterisierung noch von Schauspielerei, weder von einfallsreicher Geschichte noch von überlegter Dramaturgie kann die Rede sein. Stattdessen bekommt man es mit Knallchargen und Brachialmimen zu tun, mit unfassbarem Blödsinn und endlosem Herumgealber.

Dem queeren Kino tut "Männer zum Knutschen", der von seinen beiden Hauptdarstellern produziert wurde, keinen Gefallen. Dem Image schwuler Männer in der Öffentlichkeit erweist der Film einen Bärendienst. Und über die darin propagierten frauenfeindlichen Bilder, die den ganzen Nuancenreichtum von der hysterischen Zicke bis zur Kampflesbe aufbieten, lässt sich schon gar nicht mehr reden. Darüber muss man schweigen.
Alexandra Seitz

Männer zum Knutschen, Deutschland 2012, Regie: Robert Hasfogel, Buch: André Schneider, Frank Christian Marx, mit Frank Christian Marx, Udo Lutz, Alexandra Starnitzky, Marcel Schlutt u.a., ab 12, 84 min, Kinostart: 6. September 2012 bei Pro-Fun

Foto: © Pro-Fun



Mehr Infos zu "Männer zum Knutschen"

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Kommentare

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Was bisher geschah...

Nicht alle Kritiken sind Tatsachen

Also, ich bin eine Frau und dieser Film hat weder frauenfeindliche Figuren, noch schlechte Schauspieler. Ein hervorragend gespielter Sommerspass mit sehr viel Witz und ner großen Portion Herz. Und Hauptdarsteller Frank Christian Marx und Udo sind ein Paar dessen Geschichte nach einer Fortsetzung schreit. Ich hab mich sehr amüsiert.

Jennifer Sommer | 8. September 2012   08:44

Viel besser als seine Kritken

Ein wunderschöner Film bei dem man lauthals lachen kann. Tolle Figuren, überzogene Story und fast schon anarchistischer Witz der einen tollen Kinoabend garantiert. Und....ich bin eine Frau. Die Frauenfiguren in diesem Film sind überhaupt nicht frauenfeindlich. Im Gegenteil. Der Film macht sich über alles und jeden lustig. Heteros, Schwule, Transen. Endlich mal wieder Kino aus Deutschland das überrascht.

Martina Manfred | 7. September 2012   14:13

Wundervoll überzogene Komödie

Welchen Film hat diese Frau bitte gesehen? Der Film war witzig, treffsicher, unglaublich albern und ein Riesenspass das Wichtigste: Er nimmt sich selber nicht ernst, wohl aber seine Figuren. Und dann wenn man denkt es mit einer reinen Klamotte zu tun zu haben, pumpt der Film eine gehörige Portion Realismus hinein. Selten einen Film gesehen, dem man die Liebe der Beteiligten so der art ansieht. Wirklich grosses kleines Kino.

Andrea Wester | 6. September 2012   22:53

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