Am Ende eines viel zu kurzen Tages

Malen nach Zahlen

Kinostart: 30.8.2012 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Donald (Thomas Brodie-Sangster) ist kein Rebell ohne Grund. Wenn andere auf Autobahnbrücken balancieren oder in letzter Sekunde Zügen ausweichen, leben sie ihre Jugend aus. Donald hingegen hat Krebs – man sieht es, wenn er die Mütze abnimmt, um Leute zu erschrecken. Das Leben ist ihm wirklich egal, zumindest schleudert er das jedem ins Gesicht, der es gut mit ihm meint: den Eltern, die mit seiner offensichtlichen Verzweiflung nicht klarkommen, oder dem Psychologen oder vielmehr "Thanatologen" Dr. King (Andy Serkis), der ihm rät, die verbleibende Zeit zu nutzen. Er ist ein schlauer Kerl, dieser "Dr. Tod", lässt sich nicht provozieren, aber er hat natürlich keine Ahnung. Donalds Krebs ist unheilbar und damit alles Gerede umsonst.

Wer diese Weltsicht für düster hält, sollte sich mal seine Zeichnungen ansehen: Der Fünfzehnjährige ist ein begnadeter Streetart-Künstler, Filzstift und Marker sind seine Waffen gegen eine verständnislose Umwelt. Seine grausige Schöpfung "Glove", der Erzfeind, spukt aber auch durch Donalds Kopf und fordert höhnisch seinen Tod. Die kurvige Dominatrix "Nursey Worsey" macht das Kuddelmuddel aus Sex und Gewalt komplett – auf seine eigene Art ist der notorische Schulschwänzer auch ein ganz normaler Junge. Die Comic-Fantasie ist Ausdruck seiner gequälten Seele. Da wirkt es fast störend, dass in der Realität eigentlich alles rund läuft: Die neue Mitschülerin Shelly (Aisling Loftus), reifer und sensibler als alle anderen, scheint ihn zu mögen. Sie findet seine Glatze "stark" – und beneidet ihn um sein Talent.

"Am Ende eines viel zu kurzen Tages" ist ein ungewöhnliches Jugenddrama über Krebs, das vor allem optisch überzeugt: Die Integration der Comicelemente ist hervorragend gelungen. Donalds Todeskampf mit "Glove" liefert die perfekte Umsetzung seiner Ängste, der Stil wirkt überraschend roh und zugleich dem Thema adäquat. Dagegen bietet die Story nur Malen nach Zahlen: Der gutherzige Doktor – mit eigener Verlusterfahrung – und die seelenverwandte Shelly sind als strategisch herbeifantasierte Drehbuchkonstrukte klar erkennbar. Natürlich erwartet man kein gutes Ende – Regisseur Ian FitzGibbon inszeniert die Romanverfilmung (nach Anthony McCartens "Superhero") weitgehend kitschfrei, in einem Stil, der die plötzliche Entdeckung eines Wundermedikaments unwahrscheinlich macht. Doch auch die weitere Entwicklung des kranken Helden ist mehr oder weniger absehbar. Dass man die positive Botschaft dennoch gern mitnimmt, verdankt sich vor allem der guten Besetzung.
Philipp Bühler

(Death of a Superhero) Irland, Deutschland 2011, Regie: Ian FitzGibbon, Buch: Anthony McCarten nach seinem gleichnamigen Roman, mit Andy Serkis, Thomas Brodie-Sangster, Jessica Schwarz, Aisling Loftus u.a., ab 12, 94 min, Kinostart: 30. August 2012 bei NFP

Foto: © Bavaria Pictures:Bernard Walsh



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