Chico & Rita

Nicht mit dir, nicht ohne dich

Kinostart: 30.8.2012 | Stefan Stiletto | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Vorbei sind die Zeiten, als Chico noch ein großer Jazzpianist war. Heute ist der kubanische Musiker in Vergessenheit geraten. Durch einen Job als Schuhputzer verdient er sein Geld in Havanna. Und manchmal, wenn er im Radio eines der alten Lieder hört, die er Ende der 1940er-Jahre mit der Sängerin Rita aufgenommen hat, bewegen sich seine Finger wehmütig auf dem aufgeplatzten Holz des Fenstersimses wie auf einem Klavier. Schon lange besitzt Chico kein eigenes Instrument mehr. Er hatte es damals verkauft, um sich Tickets nach New York leisten zu können. Nicht wegen der Karriere musste er unbedingt dorthin, sondern weil er Rita, seiner großen Liebe, nachreisen wollte.

Vom dem Glück, sich zu finden, und dem Schmerz, sich wieder zu verlieren, erzählen Fernando Trueba, Javier Mariscal und Tono Errando in ihrem außergewöhnlichen Zeichentrickfilm "Chico & Rita". Über beinahe fünf Jahrzehnte und durch mehrere Länder folgen sie der tragisch-schönen, bittersüßen Liebesgeschichte der beiden Musiker, deren Wege sich immer wieder kreuzen – wenngleich manchmal nur für eine Nacht – und die doch nie lange zusammenfinden. Manchmal treibt sie die Karriere wieder auseinander, als es Rita in den USA zur berühmten Sängerin bringt und sie sogar in einem Hollywoodmusical auftritt, manchmal ist es Eifersucht oder Stolz und einmal sogar die Intrige eines Freundes.

Ein ungemein sinnlicher Film ist "Chico & Rita" geworden. Er schwelgt nur so in den anmutigen Bewegungen seiner angenehm grob gezeichneten Figuren, in den detailreichen Stadtansichten von New York und Havanna sowie in den temperamentvollen Rhythmen des Jazz-Soundtracks, der den Stil von Legenden wie Dizzy Gillespie oder Charlie Parker imitiert. Ganz beiläufig spielt sich dabei im Hintergrund der unkonventionellen "Boy meets girl"-Story die große Weltgeschichte ab. Zur Zeit der Rassentrennung haben auch lateinamerikanische Künstlerinnen wie Rita einen schweren Stand. Und wenn schließlich auf Kuba die Revolution siegt, verliert Chico seine Lebensgrundlage, weil seine Jazz-Musik plötzlich als imperialistisch gilt. Diese politischen Bezüge drängen sich nie in den Mittelpunkt. Doch sie tragen maßgeblich zum Flair und zur Atmosphäre bei und lassen dadurch auch die Schicksale der beiden Hauptfiguren sehr glaubwürdig wirken.
Stefan Stiletto 

Chico & Rita, Animationsfilm, Spanien, Großbritannien 2010, Regie: Fernando Trueba, Javier Mariscal, Tono Errando, Buch: Ignacio Martínez de Pisón, Fernando Trueba, o.A., 93 min, Kinostart: 30. August 2012 bei Kool Filmdistribution

Foto: © Kool Filmdistribution



Mehr Infos zu "Chico & Rita"

"Chico & Rita" – die offizielle Filmwebseite (englisch, spanisch)
Die deutsche Webseite zu "Chico & Rita"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Chico & Rita" auf filmz.de





Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)