Lanzelot (Peter Weiss) und Milan (Manuel Cortez)
Seit drei Jahren kein Sex? Und das mit Mitte zwanzig? Lanzelot könnte die Wände hochgehen, doch Origami sei Dank hat er einen Weg gefunden, seine Triebe zu beruhigen. Mit Sorge betrachtet sein temperamentvollerer Mitbewohner Milan, wie inbrünstig Lanzelot die bunten Papierchen faltet. Kurz entschlossen meldet er ihn bei einem Online-Flirtportal an, um ihn dann fast täglich zu neuen Dates zu hetzen. Noch bevor Lanzelot registriert, wie ihm geschieht, sieht er sich einer Phalanx neurotischer Blondinen gegenüber und mit ungewöhnlichen Erwartungshaltungen konfrontiert.
"Dating Lanzelot" heißt der neue Film von Oliver Rihs, dessen "Schwarze Schafe" (2006) längst zum Berliner Kultfilm wurde. Ebenso schonungslos widmet er sich nun dem modernen Paarungsverhalten, das dank Internet zum beliebigen Fleischkonsum degeneriert. Wo sich manche Berliner Beziehungskomödien auf permanenten WG-Umzugsstress beschränken, um das Erregungspotenzial der 20+-Generation zu beschreiben, gräbt "Dating Lanzelot" unter der Gürtellinie nach der Triebessenz verbogener Großstadtkreaturen. Blauäugig lauert sein Origami-Nerd im Stammcafé auf die Paarungswilligen. Wem er dann begegnet – jeder Online-Dater ahnt es schon: die Alleinerziehende mit verzogenem Gör, eine Verklemmte, die ausgerechnet dieses Lanzelotchen als Sex-Trainer will. Eine der Realität chemisch Entrückte und dann jene, die klar sagt, was sie will: erlegt werden von einem Wahnsinnigen in blutiger Metzgerschürze! Waidmannsheil. Als sich dann Milan die endlich kompatible "Knuddelhexe" greift, dämmert Lanzelot, dass er möglicherweise für ihn die Frauen vorsortiert, die allesamt zu dürr und zu blond sind für seinen Geschmack.
Ursprünglich hatte Oliver Rihs Lanzelots Heldentaten für eine acht Folgen starke Webisode konzipiert, die auf dem Portal 3.MIN laufen sollte. "Dating Lanzelot" jedoch gehört ins Kino. Wie in "Schwarze Schafe" setzt er auf Episoden, die den Nickname der Liebeshungrigen tragen. Grafisch raffiniert aufgemotzt und veredelt durch den Schrammelcharme einer Low-Budget-Produktion, treibt Rihs Lanzelots Paarungsversuche peinlich genau auf die Spitze. Auch den Berlinbezug hat der gebürtige Schweizer nicht vergessen: In einer bollywoodesken Schlusssequenz lässt er stadtbekannte Anmachtempel baden gehen. Herrlich.
Cristina Moles Kaupp
Dating Lanzelot, Deutschland, Schweiz 2011, Regie: Oliver Rihs, Buch: Jann Preuss, mit Peter Weiss, Manuel Cortez, Narges Rashidi, Jule Böwe, Elzemarieke de Vos u.a., ab 12, 90 min, Kinostart: 30. August 2012 bei Port-au-Prince
Foto: © Port au Prince Film & Kultur Produktion
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