Doppelleben

Hausfrau im Blitzlicht

Kinostart: 30.8.2012 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Wer will schon aussehen wie Angela Merkel oder eine andere Politikerpersönlichkeit? Und das auch noch als Lebenschance begreifen? Für die Lübecker Hausfrau Susanne Knoll kam ihre Ähnlichkeit mit der Kanzlerin jedoch wie gerufen. Als diese einst auf einem Polterabend ein DJ bemerkte, steckte die Mutter dreier Töchter gerade in einer Lebenskrise und war bereit für Veränderung. Schon bald schickt sie ein Wuppertaler Agent ins Rennen, Jochen Florstedt, Vermittler von Doppelgängern aus der Politik. So kam es, dass Susanne Knoll in illustrem Rahmen Reden hielt und sich ihr Terminkalender füllte. Doubeln mag ein lukratives Zubrot sein, doch was ist der Preis für die schwindende Privatsphäre? Welche Leute wollen dies überhaupt? Und wie prägen die Originale ihre Doubles?

Regisseur Douglas Wolfsperger ("War'n sie schon mal in mich verliebt?", "Der entsorgte Vater") widmet nicht nur Susanne Knoll eine kleine Homestory, sondern stellt auch Marianne Schätzle vor, ein weiteres Angie-Double aus dem Schwäbischen. Ihre Ähnlichkeit mit der Kanzlerin ist weniger verblüffend, dafür vermarktet sie sich weniger gediegen und lässt sich auch für Baumarkteröffnungen oder Geburtstagsfeiern engagieren. Ebenso wie Lothar Wunderlich, Reiseagent aus Leipzig, der tatsächlich aussieht wie Bill Clinton und daher im Urlaub auf die besten Hotelzimmer pocht. Dem ehemaligen DDR-Bürger verschafft sein Äußeres einen ungeheuren Selbstbewusstseinskick. Endlich ist er wer.

Aus dem Off plaudern die Doppelgänger darüber, was sie mit dem Original verbindet und wie sie in dessen Haut schlüpften. Egomanisch sind sie alle, fast schon bereit die Leistungen des Originals für sich zu reklamieren. So sehr, dass Susanne Knoll in eine Partei eintritt – wenn auch in die SPD. Ihre Konkurrenz zu Marianne Schätzle ist Thema, ebenso wie der Zoff mit ihrem Mentor und Agenten, der selber eine interessante Marke ist. Trotzdem: "Doppelleben" ist zu langatmig, zu sehr auf die Ego-Show von Susanne Knoll fixiert und hat leider kein Original-Bildmaterial von ihren Auftritten.
Cristina Moles Kaupp

Doppelleben, Dokumentarfilm, Deutschland 2011, Buch & Regie: Douglas Wolfsperger, mit Susanne Knoll, Marianne Schätzle, Bernd Heinicke, Lothar Wunderlich, Kurt Schmidt, Jochen Florstedt u.a., 80 min, Kinostart: 30. August 2012 bei Camino

Foto: © Camino



Mehr Infos zu "Doppelleben"

"Doppelleben" – Die offizielle Filmwebseite
"Doppelleben" auf filmportal.de
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