To Rome with Love

Das ewige Thema

Kinostart: 30.8.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Ruhestand bedeutet den Tod. Davon ist nicht nur der Opernregisseur, der von Woody Allen gespielt wird, in "To Rome with Love" überzeugt. Das gilt auch ganz offenbar für den New Yorker Filmemacher selbst. Obwohl er unter Flugangst leidet und eigentlich Dreharbeiten hasst, erweitert der 76-Jährige seine ohnehin schon lange Filmografie jedes Jahr um ein weiteres Werk. Nachdem Allen zuletzt mit "Midnight in Paris" den kommerziell erfolgreichsten Film seiner Karriere gedreht hat, folgt auf seiner Europarundreise, auf der er sich seit dem Dreh von "Match Point" 2005 in London befindet, nun der nächste Zwischenstopp in Rom. Wie so oft in Manhattan oder später in Barcelona oder Paris macht Allen auch in seinem Ensemblestück "To Rome with Love" die ewige Stadt zu einem der Protagonisten. Er rückt sie an ihren schönsten Ecken in ein schmeichelndes, mediterran warmes Licht und ringt ihr in fast jeder Einstellung einen hübschen Postkartengruß ab.

Um die Liebe, Allens ewiges Thema, kreisen auch hier die meisten Geschichten, in denen sich die Stars mal wieder fast gegenseitig auf die Füße treten. Penélope Cruz taucht nach ihrem furiosen Auftritt in "Vicky Cristina Barcelona" nun als üppige Prostituierte mit losem Mundwerk auf, die die Pläne eines jungen Pärchens gehörig durcheinanderwürfelt. Alec Baldwin schaltet sich auf surreale Weise in Jesse Eisenbergs Affäre mit Ellen Page ein – als so etwas wie ein Geist, der das amouröse Geschehen kommentiert. Und der Italo-Komiker Roberto Benigni wird als unscheinbarer Beamter ungewollt zur Reality-TV-Berühmtheit und in der Öffentlichkeit von Fans und Kameras förmlich belagert. Und auch Allen selbst tritt nach einiger Zeit wieder selbst vor der Kamera in Erscheinung und spielt den besagten Opernregisseur, der den römischen Schwiegervater seiner Tochter zu einer Karriere als Opernsänger drängt. Dass der aber nur unter der Dusche wirklich gut singen kann, hindert ihn nicht.

Bei der Zusammenstellung dieser Episoden fühlt man sich ein wenig an Robert B. Weides "Woody Allen – A Documentary" erinnert. Darin gab der Filmemacher kürzlich einen raren Einblick in seine Arbeitsweise. In einer Szene setzte er sich auf sein Bett und schüttete eine Box mit lauter gesammelten Ideen auf kleinen Zetteln und Servietten aus. "To Rome with Love" wirkt nun so, als hätte er sich wahllos einige dieser Ideen geschnappt und ungeachtet unterschiedlichster Zeitebenen in ganz, ganz losem Zusammenhang für einen episodischen Film zusammengewürfelt. Dabei sind die leichtfüßig erzählten Geschichten aber nicht nur sehr unterschiedlich, sondern auch unterschiedlich gut. Sicherlich gibt es einige charmante Augenblicke, die Schauspieler haben ihren Spaß und dass Allen Jahrzehnte nach Klamauk wie "Bananas" (1971) für die Opernsänger-Dusch-Story seine wirklich alberne Seite wiederentdeckt, ist lustig.

Doch nicht nur der sonst so schnelle, geschliffene Wortwitz blitzt etwas zu selten auf. Manchmal bleibt "To Rome with Love" für Allens Verhältnisse erstaunlich substanzlos. Als durchschnittlich amüsante Alterswerk-Fußnote hinterlässt dieser Italien-Ausflug so keine nennenswerten Spuren. Nächstes Mal kann das aber alles schon wieder ganz anders sein. Glücklicherweise ist der nächste Allen-Film ja immer schon in Sichtweite.
Sascha Rettig

To Rome with Love, USA, Italien 2012, Buch & Regie: Woody Allen, mit Woody Allen, Alec Baldwin, Roberto Benigni, Penélope Cruz, Judy Davis, Jesse Eisenberg u.a., o.A., 110 min, Kinostart: 30. August 2012 bei Tobis

Foto: © TOBIS Film



Mehr Infos zu "To Rome with Love"

"To Rome with Love" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "To Rome with Love"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "To Rome with Love" auf filmz.de




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