Flamenco, Flamenco

Tanz und Gefühl

Kinostart: 23.8.2012 | Alexandra Seitz | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der Flamenco ist ein aus Andalusien im Süden Spaniens stammendes, Jahrhunderte altes Musikgenre, das sich aus komplexen Formen und Kombinationen von Gesang, Tanz und Gitarrespiel zusammensetzt. Als eine spezifische Art und Weise des künstlerischen Ausdrucks wurde der andalusische Flamenco 2010 von der UNESCO auf die Liste der "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" aufgenommen. Im Werk des spanischen Regie-Altmeisters Carlos Saura spielt diese musikalische Ausdrucksform schon seit vielen Jahren eine bedeutende Rolle. Saura hat ihr eine Spielfilmtrilogie gewidmet – "Bluthochzeit" (1981), "Carmen" (1983) und "Liebeszauber" (1986) –, in der die mehr oder minder dürftige Handlung immerhin Anlässe genug bietet, in Flamenco auszubrechen und damit gewaltige Leidenschaften loszulassen. Und er hat 1995 in "Flamenco" den berühmten und großen Männern und Frauen der Szene im Wortsinn ein Bühne geboten und in einer Abfolge von Flamenco-Nummern die ganze Bandbreite der unterschiedlichen Stile und Ausformungen dokumentiert.

15 Jahre später legt Saura mit "Flamenco, Flamenco" eine Aktualisierung vor, in der er eine neue, nachgewachsene Generation von Künstlern und Künstlerinnen vorstellt. Aufgenommen wurden die Darbietungen im ehemaligen Weltausstellungspavillon in Sevilla, in einer Kulisse aus Reproduktionen von Bildern von Goya, Picasso, Klimt und anderen, die allesamt die Tänzerin und damit die mystifizierte spanische Frau ins Zentrum stellen. Im Wesentlichen nämlich handelt es sich beim Flamenco um getanzte Liebeslyrik, also um die dynamisch-rhythmische Gestaltung der ewigen Dramen um Begehren, Sehnsucht, Eifersucht, Erfüllung, Glück, Verlust, Verzweiflung. Umso ärgerlicher ist es, dass die Texte der vielen Lieder, die in "Flamenco, Flamenco" gesungen werden, allesamt nicht untertitelt sind. Zwar erfährt man, wer da jeweils singt, Gitarre spielt und tanzt, aber über das, was da musikalisch jeweils eigentlich gerade verhandelt wird, wird man im Unklaren gelassen. Das ist sowohl der von Saura dokumentierten kulturellen Ausdrucksform gegenüber unverschämt als auch dem Zuschauer, der sich reduziert sieht auf einen ignoranten Kulturbanausen, der in einer folkloristischen Nummernrevue abgezockt wird.
Alexandra Seitz

Flamenco, Flamenco, Spanien 2010, Buch & Regie: Carlos Saura, mit Paco de Lucía, Manolo Sanlúcar, José Mercé, Estrella Morente, Sara Baras, Miguel Poveda u.a., 97 min, Kinostart: 23. August 2012 bei Kairos

Foto: © Kairos



Mehr Infos zu "Flamenco, Flamenco"

"Flamenco, Flamenco" – die offizielle Filmwebseite (englisch, spanisch)
"Flamenco, Flamenco" – Filminfos vom deutchen Verleih
Filminfos in der Internet Movie Database
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