Roman Polanski: A Film Memoir

Unter Freunden

Kinostart: 23.8.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

"Wir hoffen, Sie werden eine spannende Zeit haben", hieß es in dem Brief des Filmfestivals Zürich, das Roman Polanski 2009 mit einem Preis für sein Lebenswerk auszeichnen wollte. Aus heutiger Sicht hat dieser Satz für den in Polen geborenen Filmregisseur eine bittere Ironie. Denn entgegennehmen konnte er die Auszeichnung erst zwei Jahre später. Beim ersten Anlauf wurde Polanski damals gleich am Flughafen festgenommen und fand sich statt in einem Kinosaal erst im Gefängnis und dann im monatelangen Hausarrest wieder. Polanski sollte den USA überstellt werden wegen eines Vergehens, das mittlerweile über 30 Jahre zurückliegt. 1977 wurde er wegen der Vergewaltigung einer 13-Jährigen angeklagt und verließ das Land, bevor der Fall abgeschlossen war. Während seines Schweizer Hausarrests wurde Polanski für eine Dokumentation von Regisseur Laurent Bouzereau und einem kleinen Filmteam in seinem Haus im Gstaad besucht.

Für "Roman Polanski: A Film Memoir" soll der 79-Jährige in einem Gespräch mit seinem langjährigen Freund und Produzenten Andrew Braunsberg zurückblicken auf sein bewegtes Leben voller Tragödien und Katastrophen. An den Filmen wie "Ekel", "Tanz der Vampire" oder "Chinatown" selbst wird dabei allerdings nur mit ein paar knappen Gedanken vorbeigeeilt. Die Konversation, die noch mit Filmausschnitten, Nachrichtenschnippseln und Fotos angereichert wurde, konzentriert sich stattdessen vor allem auf die drei größten Erschütterungen in seinem Leben: die Verhaftung in den 1970ern, die Ermordung seiner schwangeren Frau Sharon Tate durch die Manson-Bande 1969 und die harte Kindheit während des Zweiten Weltkrieges in Polen, in der er unter anderem die Räumung des Krakauer Ghettos überlebte.

Dass es sich bei dem Interviewer um einen Freund Polanskis handelt, hätte von Vorteil sein können, weil sich der Filmemacher vielleicht mehr anvertraut und mehr sagt, als er einem anderen Gesprächspartner erzählt hätte. Hier ist es allerdings so, dass kritische Nachfragen nicht stattfinden und Braunsberg überwiegend ein Stichwortgeber für recht oberflächliche Konversationsimpulse bleibt. Dass der Film dennoch durchweg unterhält, liegt daher nur am Porträtierten selbst und seinen vor allem bei den Erinnerungen an das Ghetto und den Tate-Mord sehr bewegenden Erzählungen. Der Erkenntnisgewinn für jemanden, der sich auch nur ein wenig mit Polanski beschäftigt oder andere Dokus wie "Roman Polanski: Wanted and Desired" (2008) von Marina Zenovich gesehen hat, bleibt dennoch sehr überschaubar.
Sascha Rettig

Roman Polanski: A Film Memoir (Dokumentarfilm), Großbritannien, Italien, Deutschland 2011, Buch & Regie: Laurent Bouzereau, mit Roman Polanski, Andrew Braunsberg u.a., OmU, ab 12, 90 min, Kinostart: 23. August 2012 bei Eclipse

Foto: © Eclipse



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