Samsara

Die Macht der Bilder

Kinostart: 23.8.2012 | Stefan Brückner | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Man sagt, das Rad des Lebens dreht sich unaufhaltsam. Buddhistische Mönche können mit verschiedenen Farbpulvern ein solches Lebensrad visualisieren, genannt wird es "Samsara". Mit bemerkenswerter Kunstfertigkeit und Ausdauer werden sie gestaltet und nach der Fertigstellung prompt wieder zerstört. Dieser Akt ist Metapher für die Vergänglichkeit des Lebens und zugleich Rahmung des bildgewaltigen Filmessays "Samsara".

Die Filmemacher Ron Fricke und Mark Magidson haben sich mit Samsara angemaßt, das Leben auf unserem Planeten in seiner Ganzheit abbilden zu wollen. Dazu gehören Flora, Fauna und das komplexe menschliche Lebenssystem. Doch wie kann es sein, dass ein Film, der sich weder an einem speziellen Thema noch an bestimmten Personen entlang bewegt, derart fesselnd ist, dass man den Blick nicht von der Leinwand abwenden kann?

So zeigt die erste Einstellung eine reich geschmückte asiatische Tanzgruppe, woraufhin sich Bilder eines spuckenden Vulkans sowie eines saftig-grünen Dschungels mit goldenen Tempeln anschließen. Drei Orte, drei Brüche. Doch nur scheinbar sind die Aufnahmen wahllos aneinandergereiht. Das Kaleidoskop an Motiven lässt eine klassische Form der Erzählung nicht zu, kam für Fricke und Magidson auch nicht in Frage. Das Duo bricht mit den konventionellen Mustern der Narration und versieht den Film lediglich mit einer losen Struktur, die sogar auf jegliche Form der Kommentierung verzichtet. Zusammengehalten wird das Stück durch Rhythmisierung und Ordnung der Bilder, oder einfach durch harte Kontraste.

"Samsara" behandelt so unterschiedliche Themenkomplexe wie Armut, Urbanität, Waffenindustrie oder Massenchoreografie. Dabei erhebt der Film niemals den moralischen Zeigefinger, sondern ist versucht, die mannigfaltigen Auswüchse des irdischen Lebens abzubilden. Durch die kluge Montage und die stimmige Filmmusik von Michael Stearns, Lisa Gerrard und Marcello De Francisci wirken einzelne Abschnitte, wie etwa der zur Lebensmittelherstellung, sogar komisch.

Das Geheimnis von "Samsara" sind – ganz klar – die atemberaubenden und zeitlosen Bilder, die mit einer nie dagewesenen Schärfe glänzen können. Fricke und Magidson haben sich vor ihrer fünfjährigen Weltreise, bei der sie 25 Länder durchstreiften, entschieden, ihre Aufnahmen auf 70mm zu drehen – sie fürchteten die rasante Entwicklung der digitalen Kameratechnik. Nach einer Ultra-HD-Abtastung bieten die Aufnahmen ein unerreichtes Detailreichtum. Das lässt den Blick in den wohlkomponierten Einstellungen wandern. Langweilig wird es somit nie.

"Samsara" ist kein Film, sondern ein Erlebnis. Wenn man den Filmemachern glauben möchte, sogar eine spirituelle Reise. Allen voran ist "Samsara" eine visuelle Reise rund um den blauen Planeten, die unbedingt im Kino genossen werden sollte. Denn erst dort entfaltet sich die Magie des Films.
Stefan Brückner

Samsara, USA 2011, Regie: Ron Fricke, Buch: Ron Fricke, Mark Magidson, o.A., 101 min, Kinostart: 23. August 2012 bei Busch Media Group

Foto: © Busch Media Group



Mehr Infos zu "Samsara"

"Samsara" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Samsara"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Samsara" auf filmz.de




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