Total Recall

Total Copy

Kinostart: 23.8.2012 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Hollywood recycelt sich selbst. Gerade wurde ein weiterer "Spiderman"-Zyklus eingeleitet, im nächsten Jahr startet ein neuer "Superman" – doch das wohl unerwartetste aller Reboots läuft diese Woche in den Kinos an: Len Wisemans "Total Recall", ein detailgetreues Remake des Arnold-Schwarzenegger-Vehikels von 1990. Der Film war damals ein Riesending, mit nie zuvor gesehenen Spezialeffekten. Der Film setzte als einer der letzten ausschließlich mit handgemachten Effekten produzierten Action-Blockbuster neue Maßstäbe. Aus heutiger Sicht wirkt Paul Verhoevens Film allerdings wie das Relikt einer vergangenen Ära. Er sieht noch immer liebevoll gemacht aus, entbehrt aber nicht einer gewissen Komik. In puncto Spezialeffekten fällt die Halbwertzeit des Blockbusterkinos immer kürzer aus, je schneller sich die Technologien entwickeln. Hat sich in letzter Zeit mal jemand den ersten "Matrix"-Film angesehen? Gruselig.

Der Klassiker-Status von Verhoevens "Total Recall" ist also unbestritten, aber die Story (immerhin nach einer Kurzgeschichte von Science-Fiction-Meister Philip K. Dick) ist zu gut, um sie sich von trashigen Spezialeffekten ruinieren zu lassen. Wisemans Remake sieht noch ein wenig düsterer und bedrohlicher als das Original aus. Die Handlung wurde vom Mars auf die Erde zurückverlegt, die nach einem Krieg weitgehend unbewohnbar und in zwei Blöcke gespalten ist: die Vereinigte Föderation von Britannien und "die Kolonie". Sonst ist eigentlich alles beim Alten.

Der harmlose Fließbandangestellte Douglas Quaid, hier gespielt von Colin Farrell, entdeckt durch ein fehlgeleitetes Erinnerungsimplantat, dass er ein Agent der Föderation ist, der zu den Rebellen der "Kolonie" übergelaufen ist. Es geht um ein Komplott, das sich nur allmählich aus der falschen Erinnerung Quaids herausschält. Wie immer bei Dick geht es auch in "Total Recall" um die Themen Realität, Erinnerung und Identität. Das Remake erweist sich dabei als erstaunlich solide. Es hat das Original an den richtigen Stellen einem Update unterzogen – zuallererst natürlich bei den Spezialeffekten, die nie übertrieben wirken und der Geschichte dienen. Besonders die Stadtarchitektur ist überwältigend, stellenweise erinnert sie an "Blade Runner". Man kann sich über die zunehmende Zahl an Remakes aus Hollywood mokieren, aber im Fall von "Total Recall" (1982) erweist sich der Reboot als Glücksfall. Wiseman hat eine zeitlos gute Geschichte in eine zeitgemäße Ästhetik übertragen. Ein Actionfilm ohne schalen Beigeschmack.
Andreas Busche

Total Recall, USA 2012, Regie: Len Wiseman, Buch: Kurt Wimmer, Mark Bomback nach der Kurzgeschichte "Erinnerungen en gros" von Philip K. Dick, mit Colin Farrell, Bryan Cranston, Kate Beckinsale, Bill Nighy, Jessica Biel, Ethan Hawke u.a., ab 12, 118 min, Kinostart: 23. August 2012 bei Sony Pictures

Foto: © 2012 Sony Pictures Releasing GmbH



Mehr Infos zu "Total Recall"

"Total Recall" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Total Recall"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Total Recall" auf filmz.de




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)