Magic Mike

Pralle Höschen

Kinostart: 16.8.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Die Figur dafür hat er, das kantige Gesicht ebenfalls. Und dass er so ausgestattet mit eindeutig anregenden Bewegungen ein weibliches Publikum in hysterische Verzückung treiben kann, daran besteht eigentlich kaum ein Zweifel. Channing Tatum ist auf jeden Fall einer der Hollywood-Hengste, dem man ohne weiteres abnimmt, dass er sich vor seiner Filmkarriere mal als Stripper verdingt hat. Nun spielt er einen solchen in "Magic Mike". Eine autobiografische Aufarbeitung dieser Zeit ist es zwar nicht geworden. In der Titelrolle lässt Tatum, der den Film auch mit produziert hat, jedoch einige Erinnerungen aufflammen.

Beim Stichwort "Man-Strip" landen die Gedanken zunächst einmal schnell bei Peter Cattaneos britischer Sozial-Komödie "Ganz oder gar nicht" von 1997. Doch bis auf das Ausziehen und den Wirtschaftskrisen-Background haben die Laien aus Sheffield mit Mike und den anderen Strippern aus Tampa in Florida so gut wie nichts gemeinsam. Die Körper der Profis sind perfekt trainiert und komplett epiliert. Ihre Strips sind routinierte, choreographierte Showeinlagen und das Ganze ein Business, mit dem man offenbar ziemlich gut verdienen kann. Für Mikes Pläne allerdings reicht der Verdienst noch nicht aus. Er jobbt nebenbei noch als Dachdecker und poliert Autos, um sich das Startkapital für seinen großen Traum zu erfüllen: Er will sich eine Existenz als Schreiner von Möbelunikaten aufbauen. Beim Dachdecken lernt Mike eines Tages den 19-jährigen Adam kennen, der sich von der Strip-Club-Welt, dem Geld und den Mädels schnell angezogen fühlt. Mit Mike als Mentor und Aufpasser wird er erst Lockvogel für Frauengruppen, lässt dann aber auch sehr schnell die Hüllen fallen.

Die Eckpfeiler der Geschichte, die sich Drehbuchautor Reid Carolin für "Magic Mike" ausgedacht hat, sind im Grunde nicht sonderlich originell. Einmal mehr wird hier vom Neuling im Business erzählt, der mit Übermut und etwas Leichtsinn kurzzeitig von der Spur abkommt, und vom alten Hasen, der eigentlich alles hinter sich lassen will. Doch obwohl einige bekannte Story-Versatzstücke zum Einsatz kommen und der Film in der zweiten Hälfte inhaltlich bisweilen zu sehr auf der Stelle tritt, hat "Magic Mike" seine reizvollen Momente. Bei der Liebesgeschichte zwischen Mike und Adams Schwester etwa, die sich ganz zaghaft entwickelt und bei der auf angenehme Weise vieles unausgesprochen bleibt. Oder wenn die Stripper backstage ihre kleinen Verbalspitzen abfeuern, was Soderbergh mit der für ihn so typischen Beiläufigkeit einfängt, mit der auch der Film über weite Strecken inszeniert ist. Vor allem aber sind es die Strip-Sequenzen selbst, in denen Matthew McConaughey als Clubbesitzer selbst Tatum manch eine Szene stiehlt. Überraschend ist das kaum: Schließlich hatte man bei ihm bislang häufiger den Eindruck, dass er sich die eitlen Oben-ohne-Auftritte in so gut wie allen seinen Filmen in die Verträge schreiben ließ. Entsprechend wirkt er hier vollends in seinem Element, wenn er seinen bis in die kleinsten Muskeln trainierten Oberkörper in rhythmische Zuckungen und die Hüften in geschmeidige Schwingung versetzt. Das Vergnügen aber merkt man hier allen Darstellern an: Wie sie sich als gestählte Mitglieder der Waschbrettbaucharmada die Army-Uniformen oder andere Kostüme Stück für Stück vom Körper reißen, bis nur noch ein Stringtanga das Nötigste verdeckt, der vom entzückten Frauenpublikum mit Dollarscheinen beinah zum Platzen gebracht wird – das hat Energie und ist bisweilen überaus komisch, bizarr, herrlich cheesy. Nur schade, dass "Magic Mike" zunehmend von dem Schwung verliert, mit dem er gestartet ist.
Sascha Rettig

Magic Mike, USA 2012, Regie: Steven Soderbergh, Buch: Reid Carolin, mit Channing Tatum, Alex Pettyfer, Matthew McConaughey, Olivia Munn, Joe Mangianello, Matt Bomer u.a., ab 12, 110 min, Kinostart: 16. August 2012 bei Concorde

Foto: © 2012 Concorde Filmverleih GmbH, Foto: Claudette Barius



Mehr Infos zu "Magic Mike"

"Magic Mike" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Magic Mike"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Magic Mike" auf filmz.de




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