Wer's glaubt wird selig

Deftiges aus Bayern

Kinostart: 16.8.2012 | Tim Slagman | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Ziemlich deftig geht's zu in Marcus H. Rosenmüllers neuer Komödie "Wer's glaubt wird selig", und damit ist nicht die Bolognese-Soße gemeint, die der Wirt Georg, gespielt von Christian Ulmen, in seinem Gasthaus dem Papst über die Spaghetti kippt. Dem Papst? Na gut, von Anfang an: Vor Jahren kam Georg regelmäßig zum Skifahren in den beschaulichen Alpenort Hollerbach, irgendwann dann nur noch wegen der feschen Thekenkraft Emilie (Marie Leuenberger), und schließlich ist er ganz da geblieben, der Hamburger – und ein Schelm, wer in dieser eher überflüssigen Drehbuch-Volte das Kalkül der Produzenten erkennen mag, die zuletzt ein wenig ins Stottern geratene Rosenmüllersche Kino-Maschinerie mit einem zugkräftigen Star vom Kaliber Ulmens aufzupeppen. Zu viel Pep, dies Wortspiel sei zu einem Schwank von dieser Sorte erlaubt, gibt es nach langer Durststrecke auch wieder im Ehebett von Georg und Emilie, so viel nämlich, dass auf der anderen Seite der Wand das riesige Kreuz auf Emilies fanatisch religiöse Mutter Doris, genannt Daisy (Hannelore Elsner) kracht und dem gottesfürchtigen Leben der Guten ein Ende setzt. Dem geschäftstüchtigen Georg, dem eine jahrelange Schneeflaute den Umsatz im Wirtshaus versaut, kommt gemeinsam mit den anderen Dorfgrößen eine äußerst bescheuerte Idee: Hollerbach soll Wallfahrtsort werden – mit Daisy als Heiliger!

Sechs Jahre nach seinem Durchbruch mit der bajuwarischen Coming-of-Age-Komödie "Wer früher stirbt ist länger tot" nimmt sich Rosenmüller wieder der Bigotterie seiner Heimat an und findet dabei eine treffliche Balance zwischen scharfer Satire und Versöhnlichkeit. So ist es den Bayern eh immer gelungen, das Krachlederne mit dem Heiligen zusammenzubringen, und auch "der Rosi" erweist sich als souveräner Handwerker im Zusammenspiel von Bauerntheater, klassisch filmischer Spannungsdramaturgie und komödiantischem Timing.

Das Verwechslungsspiel um einen bettlägerigen Priester, der die verlangten Wunder der Heiligen in spe inspizieren soll, und seines Schwerenöters von einem Zwillingsbruder, der für ihn einspringen muss, ein katastrophal – so viel darf wohl verraten werden – schief gehender Plan für einen Bankraub oder der Subplot um Emilies zur Beerdigung heimkehrende Schwester Evi, die der dörflichen Enge in die vermeintliche Freiheit des großstädtischen Porno-Business entflohen ist – all diese Fäden hätten sich ineinander verwirren oder dem Regisseur entgleiten können. Doch gerade wenn Rosenmüller das Tempo anzieht, dann verdankt sich das Chaos auf der Leinwand einer sehr präzisen und disziplinierten Kunstfertigkeit.
Tim Slagman

Wer's glaubt wird selig, Deutschland 2012, Regie: Marcus H. Rosenmüller, Buch: Jeremy Leven, mit Christian Ulmen, Marie Leuenberger, Nikolaus Paryla, Lisa Maria Potthoff, Fahri Yardim u.a., ab 6, 105 min, Kinostart: 16. August 2012 bei Constantin

Foto: © 2012 Constantin Film Verleih GmbH



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