Jeff, der noch zu Hause lebt

Allein in dieser Welt

Kinostart: 9.8.2012 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Wollte man Jeff (Jason Segel) eine soziale Diagnose ausstellen, wäre "antriebslos" das Stichwort. Eigentlich lebt er gar nicht zu Hause, sondern in seiner eigenen Welt. Am liebsten philosophiert er beim Kiffen auf dem Klo über den Mel-Gibson-Film "Signs - Zeichen" und dessen tiefen Sinn. Im Ernst: Wer daran glaubt, ist schon an und für sich sehr allein auf der Welt. Doch das Warten auf ein "Zeichen" bildet tatsächlich Jeffs Lebensinhalt. Nun könnte man wiederum fragen, ob Hollywood hier endlich darüber nachdenkt, welche Verheerungen es bei jungen Menschen anrichtet. Aber erstens ist Jeff Mitte 30. Und zweitens hat seine geplagte Mutter (Susan Sarandon) ganz andere Sorgen: Ihr armer Sohn ist schon überfordert, wenn sie ihn aus dem Haus schickt, um Kleber zu holen.

Ein mysteriöser Anruf ("Kevin?") reißt Jeff aus der Lethargie. Das ist das Zeichen. Er muss diesen Kevin finden! Vielleicht ein Seelenverwandter? Stattdessen findet er seinen Bruder Pat (Ed Helms), ein ehrgeiziger Businesstyp und auch sonst das glatte Gegenteil unseres Sorgenkinds. Denn Jeff ist natürlich ein wahnsinnig netter Kerl: Er hilft alten Damen in den Bus. Vom ersten "Kevin", dem er begegnet, lässt er sich anstandslos ausrauben. Und selbst als der widerliche Pat ihn einspannt, um seiner angeblich fremdgehenden Frau hinterherzuspionieren, versucht er sich bereitwillig als Detektiv. Zu seiner eigenen Erleichterung hat er dazu gar kein Talent.

Jay und Mark Duplass hingegen haben das Talent, selbst mainstream-taugliche Komödienhandlungen so antriebslos und unpointiert zu erzählen, dass daraus etwas ganz anderes entsteht – nämlich sehr eigenwilliges, auf seltsame Weise berührendes Independent-Kino. Irgendwo zwischen den auf "Peinlichkeit" bedachten Apatow-Komödien und ihren Anfängen im "Mumblecore"-Genre belegen die Regiebrüder eine Nische, wo sie das Publikum wohl niemals findet. Betrachtet man ihren letzten Film "Cyrus", haben sie sich auch nicht entscheidend weiterentwickelt. Vermutlich wollen sie das gar nicht, und das ist schon mal sympathisch. Ob man darin einen Sinn sieht, bleibt jedem selbst überlassen.
Philipp Bühler

(Jeff, who lives at Home) USA 2011, Buch & Regie: Jay Duplass, Mark Duplass, mit Jason Segel, Ed Helms, Susan Sarandon, Judy Greer, Rae Dawn Chong, Steve Zissis u.a., ab 6, 83 min, Kinostart: 9. August 2012 bei Paramount

Foto: © 2010 Paramount Pictures



Mehr Infos zu "Jeff, der noch zu Hause lebt"

"Jeff, who lives at Home" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Jeff, der noch zu Hause lebt"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Jeff, der noch zu Hause lebt" auf filmz.de




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