Red Lights

Hokuspokus

Kinostart: 9.8.2012 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Dr. Margaret Matheson (Sigorney Weaver) und ihr Assistent Tom Buckley (Cillian Murphy) sind so etwas wie die bösen Zwillinge des Akte-X-Teams Mulder & Scully: Als "professionelle Skeptiker" enttarnen sie sogenannte paranormale Phänomene als glatten Betrug. Nebenbei betreiben sie das Aufdecken von Humbug und Trickserei sogar als akademische Disziplin – und unterrichten in äußerst beliebten Uniseminaren die aufstrebenden Ghostbuster von morgen. Dass "Red Lights" ganz allgemein in einer bizarren Parallelwelt spielt, zeigt schon das Schicksal der von ihnen überführten Tischrüttler, Kartenleser und angeblichen Hellseher: Sie landen hier nicht in zweitklassigen Talkshows, sondern im Gefängnis.

Skepsis hat mit Hollywood ungefähr so viel zu tun wie Löffelverbiegen mit Zauberei, und dieser Widerspruch macht zunächst richtig Laune – Mathesons Tiraden gegen pseudo-visionäre Gaukelei entfalten im Rahmen eines gekonnt vorgegaukelten Hollywood-Looks eine geradezu zersetzende Power, die selbst schon ans Visionäre grenzt. Doch das ungeschriebene Gesetz besagt nun mal, dass auch Skeptiker irgendwann dran glauben müssen. Und damit tritt Simon Silver (Robert De Niro) auf den Plan. Der blinde Hellseher, nicht nur eine graue Eminenz seines Fachs, sondern Mathesons persönlicher Lord Voldemort, startet sein bang erwartetes Comeback. Der sensible Buckley scheint anfällig für seinen düsteren Charme, und weil er mit Cillian Murphy besetzt ist, muss man natürlich an "Inception" denken: Ist Silver bereits in Buckleys Hirn?

Leider macht nur das Abschalten sämtlicher Hirnfunktionen den weiteren Verlauf und insbesondere die Auflösung dieses anfangs so vielversprechenden Para-Thrillers erträglich. Was als vergnügliche Spinnerei begann, endet in todernst gemeinten Plattitüden über all die Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich dem menschlichen Verstand entziehen. Der spanische Regisseur Rodrigo Cortés ("Buried - Lebendig begraben") macht den Fehler vieler Filme zur Parapsychologie: Die ganz banale menschliche Psychologie fällt bei ihm flach, wird ersetzt durch den binären Code von Gut und Böse, Wahr und Falsch, Glauben und Nicht-Glauben. Mit Skepsis als einer Tugend des Zweifels hat diese Pseudologik nichts mehr zu tun, umso mehr mit üblen Tricksereien und noch dazu schlechtem Drehbuch. Wäre der ganze Unfug wahr, hätten Matheson und Buckley leichtes Spiel: Festnehmen, die ganze Bande!
Philipp Bühler

(Luces Rojas) Spanien, USA 2012, Buch & Regie: Rodrigo Cortés, mit Cillian Murphy, Sigourney Weaver, Robert De Niro, Toby Jones, Joely Richardson, Elizabeth Olsen u.a., ab 12, 119 min, Kinostart: 9. August 2012 bei Wild Bunch

Foto: © Wild Bunch Germany



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