Merida - Legende der Highlands

Die widerspenstige Zähmung

Kinostart: 2.8.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Mit den Frauen haben sich Disneys Pixar-Studios bislang etwas schwer getan. Keiner der Animationsfilme ist unter der Regie einer Frau entstanden und keiner stellte eine weibliche Heldin ins Zentrum. Beides hätte sich nun mit "Merida - Legende der Highlands" ändern können. Schließlich war Brenda Chapman über Jahre maßgeblich am Entstehungsprozess des Films beteiligt, hat am Drehbuch geschrieben und wird in den Credits nach wie vor als Co-Regisseurin erwähnt. Allerdings schied sie im vergangenen Jahr aus der Produktion aus – wegen künstlerischer Differenzen, lautet die Begründung. Im Film selbst ist die junge Heldin als erste Pixar-Protagonistin erhalten geblieben.

Merida ist ein Mädchen mit einem eigenen Kopf und der ist voller üppiger Lockenmähne in einem feurigen Rot, das eindeutige Signalwirkung hat: Sie ist ein Wildfang, der sich nicht unbedingt so verhält, wie es von einer Prinzessin im Mittelalter in den schottischen Highlands zu erwarten wäre. Im Umgang mit Pfeil und Bogen hat Merida mehr Talent als jeder Junge in ihrer Umgebung. Und nicht nur das. Sie reitet auch gern durch die schön raue Natur und klettert völlig furchtlos bis auf die Spitze von schwindelerregend hohen Felsen. Ihr Vater, ein wahrer Brocken von Schottenkönig, sieht kein Problem in den unmädchenhaften Ausbrüchen seiner Tochter. Ihre Mutter allerdings erwartet, dass Merida sich zurückhaltend wie eine richtige Prinzessin benimmt und bald unter die Haube kommt. Der männliche Nachwuchs benachbarter Klans, der ihr präsentiert wird, lässt allerdings einiges zu wünschen übrig. Als Merida die Auswahl künftiger Gatten dann aber vor aller Augen beim Bogenschießen bloßstellt, kommt es zum Streit mit ihrer Mutter. Merida büxt in den Wald aus, wo sie mit einer Hexe einen folgenreichen Pakt schließt.

Was die Animation anbelangt, sind die Pixar-Studios nach wie vor weitestgehend konkurrenzlos. Auch "Merida" entwirft mit teils berückender Schönheit und gewohntem Blick für Details den mittelalterlichen Highland-Kosmos, aus denen der rote Haarwuschelberg ungezähmt herausleuchtet. Die anderen Qualitäten, die die Arbeit der Animationsmeister bislang in den meisten Fällen auszeichneten, lässt "Merida" allerdings ein wenig vermissen: Der Film geht kein Wagnis ein wie einst die Roboter-Öko-Sci-Fi "WALL·E", die anfangs als Quasi-Stummfilm in ein atemberaubend designtes Postapokalyptik-Szenario führte. Er sprüht nicht vor jener unberechenbaren Fabulierfreude, mit der etwa die hübsche Freundschaftsfantasie "Oben" oder die hinreißende Gourmetrattengeschichte "Ratatouille" begeisterten. Und er geht weder so sehr zu Herzen noch jongliert er mit cleveren Popkulturreferenzen wie andere Pixar-Produktionen zuvor. Stattdessen hat "Merida" einen märchenhaften Charakter und bringt entsprechende Elemente mit ins Spiel, mit denen sich die Geschichte nahtlos ins Disney-Portfolio fügt – von der schrulligen Hexe im verlassenen Wald bis zum Fluch, der gebannt werden muss.

So modern rebellisch Merida für das mittelalterliche Märchenschottland aufbegehrt, so simpel ist überwiegend der Humor, schematisch wirkt die Figurenzeichnung und konventionell ist die Geschichte bis zum Happy End mit finaler Botschaft durchgeschrieben. Nach "Cars 2", mit dem Pixar zuletzt etwas aus dem Tritt kam, reicht nun auch diese unterhaltsame Highlandexkursion nicht ganz an die Messlatte, die das Studio mit vergangenen Großtaten selber allerdings auch sehr, sehr hoch gehängt hat.
Sascha Rettig

(Brave) Animationsfilm, USA 2012, Regie: Brenda Chapman, Mark Andrews, Steve Purcell, Buch: Brenda Chapman, Mark Andrews, Steve Purcell, Irene Mecchi, ab 6, 113 min, Kinostart: 2. August 2012 bei Walt Disney

Foto: © Disney/Pixar



Mehr Infos zu "Merida - Legende der Highlands"

"Brave" - die englische Filmwebseite
Die deutsche Webseite zu "Merida - Legende der Highlands"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Merida - Legende der Highlands" auf filmz.de
FilmTipp von Vision Kino
Filmbesprechung auf kinofenster.de




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