Tom und Hacke

Abenteuer am Inn

Kinostart: 2.8.2012 | Stefan Stiletto | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Eigentlich wollten Tom und sein Freund Hacke nachts auf dem Friedhof nur mit einer toten Katze und einem Zauberspruch eine Warze loswerden. Doch dann beobachten sie, wie ein Schmuggler einen Mord begeht – und diesen dem örtlichen Bestatter in die Schuhe schiebt. Tom und Hacke sind entsetzt. Und doch beschließen sie aus Angst, lieber zu schweigen. Hacke, der seit dem Tod seiner Eltern allein in einem alten Eisenbahnwaggon lebt, fällt dies wesentlich leichter als Tom, den fortan schwere Gewissensbisse plagen. Als ob er nicht ohnehin schon genug Ärger hätte! Schließlich hat er erst vor kurzem die wertvolle Nähmaschine seiner Tante Polli aus Versehen kaputt gemacht. Und ohne diese ist es schlecht um die Lage der Familie bestellt. Denn die Lebensbedingungen sind schwierig in der bayerischen Kleinstadt wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.

Tom Sawyer musste für diesen Film umziehen: vom Mississippi an den Inn, vom späten 19. Jahrhundert ins Jahr 1948. Und weil kein Bayer so einen Namen tragen würde, heißt er nun eben Thomas. Thomas Sojer. Und er spricht authentisch Bayerisch. Es ist schon erstaunlich, wie viel Veränderung die berühmte Romanvorlage von Mark Twain aushalten kann, denn tatsächlich bleibt "Tom und Hacke" vor allem den Figuren der ursprünglichen Geschichte sehr treu. Auch in dieser Fassung geht es um die Lust am Abenteuer und Streichespielen, um den Freiraum der Kinder, wenn ihre Eltern sie aus den Augen verlieren, und damit letztlich auch um das Gefühl der Freiheit. Geerdet wird dies hier allerdings durch den stimmig umgesetzten historischen Hintergrund, eine meist vaterlose Welt zwischen Schwarzmarkt und Armut.

Während "Tom und Hacke" dramaturgisch weitaus gelungener und runder als die angestrengt originalgetreue Verfilmung "Tom Sawyer" aus dem vergangenen Jahr und in seinem rücksichtslosen Lokalkolorit sehr charmant ist, enttäuscht allerdings die oft beliebig wirkende Inszenierung. Nur wenige Bilder bleiben wirklich haften – wie etwa jenes der spielenden Kinder am Flussufer, dass die Stimmung wunderbar einfängt.
Stefan Stiletto

Tom und Hacke, Deutschland, Österreich 2012, Regie: Norbert Lechner, Buch: Rudolf Herfurtner nach dem Roman "Huckleberry Finn" von Mark Twain, mit Benedikt Weber, Xaver-Maria Brenner, Fritz Karl, Franziska Weisz, Franz Buchrieser u.a., ab 6, 90 min, Kinostart: 2. August 2012 bei Zorro

Foto: © Zorro Film



Mehr Infos zu "Tom und Hacke"

"Tom und Hacke" - die offizielle Filmwebseite
"Tom und Hacke" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Tom und Hacke" auf filmz.de
FilmTipp von Vision Kino
Filmbesprechung auf kinofenster.de




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