Candice (Sophie Quinton) in Marilyn-Pose
Krimiautor Rousseau leidet an einer ausgewachsenen Schreibblockade, als er in das gottverlassene Mouthe, das angeblich kälteste Dorf Frankreichs, kommt, um das Erbe seines verstorbenen Onkels anzutreten. Ausgerechnet dort stößt er auf eine heiße Story, die seine Schreibmuskeln wieder in Gang bringen: Dorfschönheit Candice Lecoer wird tot im Schnee gefunden. Während die örtliche Polizei den Fall schnell als Selbstmord zu den Akten legt, möchte der Romanautor allzu gerne an einen Mord glauben und beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Blutergüsse im Gesicht der Toten und Einstichstellen in ihrem Arm erhärten seinen Verdacht. Je mehr er über sie in Erfahrung bringt, desto besessener wird Rosseau von der blondierten Schönheit, die durch einen Werbespot für Käse lokale Berühmtheit erlangte. Nicht nur äußerlich hatte Candice Lecoer frappierende Ähnlichkeit mit ihrem großen Vorbild Marilyn Monroe, Rousseau entdeckt auch erstaunliche biografische Parallelen: von der kurzen Ehe mit einem ortsbekannten Sportler bis hin zur unglückseligen Affäre mit Käsemogul und Politgröße JFB. Musste sie sterben, weil sie zu viel über die Machenschaften der Provinzpolitik wusste und auszupacken drohte? Rousseau will es genau wissen und sieht sich bald selbst den abenteuerlichsten Attacken auf sein Leben ausgesetzt.
Pünktlich zum Todestag von Marilyn Monroe, der sich am 5. August zum 50 Mal jährt, bringt Filmemacher Gérald Hustache-Mathieu diese Hommage in Form einer überdrehten Krimifarce auf die Leinwand. Der postmoderne Spaß ist nur so gespickt mit satirischen Anspielungen auf Leben und Sterben der Filmikone. Dem fügt Hustache-Mathieu noch einen Möchtegern-James-Ellroy, Verfasser von Klassikern wie "Die schwarze Dahlie" oder "L. A. Confidential", hinzu, um auch vor Krimigenre und Film Noir eine augenzwinkernde Verbeugung zu machen, und dreht das Ganze im lakonisch-skurrilen Stil der Coen-Brüder: "Fargo" (1996) lässt grüßen. Dennoch entwickelt die Komödie ihren ganz eigenen Witz mit absurden Situationen und originellen Figuren, die mit viel Liebe zum Detail angelegt sind. Und in Candice Lecoeur, dem armen, schönen Mädchen, das so wenig Selbstwertgefühl besitzt, dass es sich wahllos von den Männern ausziehen, ausbeuten und sogar vernichten lässt, schafft er eine filmgewordene Männerfantasie – zum Glück nicht ohne einen guten Schuss Ironie.
Melanie Dorda
(Poupoupidou) Frankreich 2011, Buch & Regie: Gérald Hustache-Mathieu, mit Jean-Paul Rouve, Sophie Quinton, Guillaume Gouix, Olivier Rabourdin, Clara Ponsot u.a., ab 12, 102 min, Kinostart: 2. August 2012 bei Koch Media
Foto: © Koch Media
Kommentare
(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)
Dein Kommentar
Kommentar schreiben
(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)