Oma & Bella

Ein Eintopf voll Erinnerungen

Kinostart: 23.8.2012 | Cosima Grohmann | Kommentar schreiben | Artikel drucken

"Hast du so etwas Schönes schon einmal gesehen?", fragt die 88-jährige Bella und zieht einen Eintopf aus dem Ofen. Bella Katz und Regina Karolinski sind zwei rüstige alte Damen in bunten Blusen, die ihren Lebensabend im schicken Berlin-Charlottenburg größtenteils gemeinsam mit Kochen, Frisörbesuchen und Familienfesten verbringen. Aber genauso wie unter der köchelnden Oberfläche einer ihrer appetitlich-herzhaften Suppen, denen sie viel Zeit und Liebe widmen, schlummern die traumatischen Erinnerungen aus ihrer Kindheit, die noch immer abrufbereit sind. Regina und Bella, beide Jüdinnen – die eine aus Schlesien, die andere aus Litauen – wurden 1941/42 als Kinder in Arbeitslager deportiert. Bella gelang die Flucht in die Wälder zur jüdischen Widerstandsbewegung, Regina musste bis zur Befreiung durch die Rote Armee 1945 warten.

Die Regisseurin Alexa Karolinski lässt sich viel Zeit, bevor sie ihre eigene Großmutter Regina und deren Freundin ganz direkt nach ihren Erinnerungen als Holocaust-Überlebende fragt. So haben Zuschauer und Protagonisten genügend Raum, sich an dem liebevollen und lebensfrohen Humor der beiden Frauen zu erfreuen, sie zu begleiten, wenn sie Schweinefüße, ganze Hähnchen und tonnenweise Obst einkaufen oder mit dem Frisör einen lustigen Plausch abhalten. Die wenigen Erlebnisse, die die beiden dann schildern, genügen, um einen beklemmenden Schatten über die Bilder zu legen, in denen das Essen nicht bloß ästhetisches Beiwerk ist, sondern zum lebensbejahenden Ritual zweier Zeitzeugen wird. Statt peinlichem Nachbohren fragt die Regisseurin nie mehr als nötig und beschränkt sich auf Dialoge, die aus der Situation entspringen. So werden die Informationen eingebettet in den Alltag der beiden Protagonistinnen und haben genau die Dosis, die die Zuschauer und vor allem Bella und Regina verarbeiten können. Im kulinarischen Kino hatte der Film bereits auf der diesjährigen Berlinale seine Premiere – die Regisseurin arbeitet nun an einem Rezeptbuch von "Oma & Bella".
Cosima Grohmann

Oma & Bella, Dokumentarfilm, Deutschland, USA 2011, Buch & Regie: Alexa Karolinski, mit Regina Karolinski, Bella Katz u.a., o.A., 74 min, Kinostart in Berlin: 26. Juli 2012, bundesweiter Kinostart: 23. August 2012 bei Edition Salzgeber

Foto: © Edition Salzgeber/Alexa Karolinski



Mehr Infos zu "Oma & Bella"

"Oma & Bella" - die offizielle Filmwebseite (englisch, deutsch)
"Oma & Bella" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Oma & Bella" auf filmz.de




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