Karen llora en un bus

Eine Frau erfindet sich neu

Kinostart: 26.7.2012 | Cosima Grohmann | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Karen (Ángela Carrizosa Aparicio), eine Frau Mitte dreißig ohne Job und Freunde, beschließt nach zehn Jahren Ehe, sich von ihrem Mann zu trennen. Auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben muss sie lernen, wie man Geld verdient, Freunde gewinnt und sich neu verliebt. Eine Allerweltsgeschichte, die mit einer missglückten Besetzung oder dem falschen Drehort vermutlich nicht weiter erwähnenswert gewesen wäre. Dem kolumbianischen Regisseur Gabriel Rojas Vera gelingt es jedoch mit "Karen llora en un bus/Karen cries on the bus" eine scheinbar schon oft erzählte Story so zu inszenieren, dass diese zu der individuellen Emanzipationsgeschichte einer Frau wird, in deren unmittelbarer Umgebung traditionelle Familienideale noch das Korsett sind, in dem viele ihr Leben lang gefangen bleiben.

Karens Weg aus der ländlich-bürgerlichen Gesellschaft Kolumbiens in die Hauptstadt Bogotá zeichnet Vera minutiös und mit viel Gefühl für Details aus der unmittelbaren Lebenswelt der Protagonisten nach: Der Ekel vor der Gemeinschaftsdusche in der heruntergekommenen Pension, das Lügen vor einer alten Schulkameradin, als diese sie beim Flyer-Verteilen in der Innenstadt sieht, der erste Abend mit einer neuen Freundin, an dem sie das Essen einpacken lässt, um am nächsten Tag etwas im Magen zu haben. Statusdenken und gesellschaftliche Zwänge einer Gesellschaft, in der die Schere zwischen arm und reich besonders groß ist, werden in diesem Film neben der persönlichen Geschichte Karens besonders deutlich. Karen trifft schließlich auf Menschen, die ihr neue Perspektiven auf ihre eigenes Leben eröffnen. So wird aus der verkrampften Frau im engen Rollkragenpulli, die am Anfang des Films weinend im Bus sitzt, eine emanzipierte Großstädterin in kurzer Bluse – und das ganz ohne erzählerische Klischees.
Cosima Grohmann

Karen llora en un bus, Kolumbien 2011, Buch & Regie: Gabriel Rojas Vera, mit Ángela Carrizosa Aparicio, María Angélica Sánchez, Juan Manuel Díaz, Diego Galindo u.a., OmU, 98 min, Kinostart: 26. Juli 2012 bei Arsenal Distribution

Foto: © Arsenal Distribution



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