Miss Kicki

Die Reise nach Taipeh

Kinostart: 26.7.2012 | Anne Facompré | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Einst zog Kicki (Pernilla August) aus, um ihre Träume zu verwirklichen. Sohn Viktor (Ludwig Palmell) ließ sie damals kurzerhand bei ihrer Mutter zurück. Nach jahrelanger Abwesenheit kehrt sie nun zurück nach Schweden, ist aber alles andere als glücklich. All das Hinterherjagen von Träumen und Zielen half nichts und mittlerweile versteckt Kicki sich hinter billigem Alkohol und dem Computerbildschirm. Denn über Skype flirtet sie mit Mr. Chang (Eric Tsang), einem Geschäftsmann aus Taiwan, der ihre Illusionen nährt und ihr Hoffnung schenkt. Kicki beschließt, in das ferne Land zu reisen, um ihn zu treffen. Sohn Viktor soll sie begleiten, damit sich beide endlich wieder annähern können. Dass der eigentliche Grund für die Reise ihre Internetbekanntschaft ist, weiß Viktor nicht. Doch schon bald muss er feststellen, dass Kicki nicht ohne Alkohol durch den Tag kommt und dass sie mit ihren Gedanken stets woanders ist. So macht sich der Teenager alleine auf und findet in dem gleichaltrigen Didi schnell einen Freund.

Regisseur Håkon Liu erzählt seine Geschichte in erstaunlich warmen, niemals grellen Bildern und mit Schauspielern, die stets natürlich wirken. Was Kicki in ihre tiefe Depression und den Alkoholismus trieb, bleibt unbekannt. Lediglich erahnen lassen sich Schmerz und Enttäuschung, die wohl über die Jahre zur Desillusionierung getrieben haben. Wie ein Teenager schwärmt die erwachsene Frau für ihre Internetbekanntschaft und lässt Alltag und Sohn komplett außer Acht. Für den mittlerweile fast volljährigen Viktor hat sie nie Verantwortung übernommen und auch ihr eigenes Leben ist ziemlich außer Kontrolle geraten. Lediglich an den ominösen Mr. Chang glaubt sie noch und hängt all ihre Hoffnung an die Reise nach Taiwan. Dass sie dabei nur enttäuscht werden kann und die Lösung ihrer Probleme nicht so simpel ist, liegt auf der Hand. Währenddessen kämpft aber auch Sohn Viktor mit seinen ganz eigenen Sorgen, als er alleine durch die Straßen Taipehs wandert.

Obwohl "Miss Kicki" sehr langsam anfängt und schon fast langweilig zu werden droht, schafft Liu es, die Geschichte schließlich in Fahrt zu bringen. Mit wenigen Worten und vielen Einstellungen, die die Protagonisten einfach schweigend in ihrer eigenen Welt zeigen, etabliert er eine schwere, melancholische Stimmung, die zwischenzeitlich belastend auf den Zuschauer wirkt. Hauptthema ist ganz klar die Kluft zwischen Mutter und Sohn, aber auch die jeweils eigenen Probleme werden – oftmals subtil – angesprochen. Während Kicki in ihrem Alkohol und ihrer Verzweiflung blind ist für die Sorgen des Sohnes, thematisiert Liu ganz nebenbei auch Viktors Suche nach seiner sexuellen Orientierung. Das kleine Drama, welches letzten Endes zur Annäherung zwischen Mutter und Sohn führt, wirkt allerdings etwas unpassend und willkürlich. Dennoch bleibt "Miss Kicki" ein starker Film über Verzweiflung, Hoffnung und Selbstfindung.
Anne Facompré

Miss Kicki, Schweden, Taiwan 2009, Regie: Håkon Liu, Buch: Alex Haridi, mit Pernilla August, Ludwig Palmell, He Huang, Britta Andersson, Eric Tsang, Chen-Nan Tsai, Ken Lin u.a., OmU, 88 min, Kinostart: 26. Juli 2012 bei Barnsteiner

Foto: © Barnsteiner



Mehr Infos zu "Miss Kicki"

"Miss Kicki" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
"Miss Kicki" - Filminfos vom deutschen Verleih
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Miss Kicki" auf filmz.de




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