The Dark Knight Rises

Gothams Bestrafung

Kinostart: 26.7.2012 | Andreas Busche | Kommentare (2) | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Lässt sich ein Film wie "The Dark Knight Rises" für die Verfehlungen eines Einzelnen, eines Amokläufers, zur Verantwortung ziehen? Für Regisseur Christopher Nolan steht viel auf dem Spiel: Nicht nur seine nahezu unantastbare Autorität als Filmemacher und Blockbuster-Autor wird mit "The Dark Knight Rises", dem abschließenden Teil seiner "Batman"-Trilogie, diskutiert – auch der Ruf des "Schwarzen Ritters" selbst. Nolan hatte dem Superhelden-Genre mit "Batman Begins" (2005) und "The Dark Knight" (2008) einen unheilvollen, kaputten Realismus zugesetzt. Seine Filme waren das Produkt eines neuen US-amerikanischen Bewusstseins nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001. Nolans Batman trat mit einem schizophrenen Selbstverständnis auf: einerseits geplagt von einer tiefgreifenden Identitätskrise, andererseits ausgestattet mit der maßlosen Selbstherrlichkeit, sich über das Gesetz stellen zu können. Er war ein gebrochener Antiheld in einer durch und durch korrupten Welt.

Batmans Kampf hat körperliche Spuren hinterlassen

Acht Jahre sind seit "The Dark Knight" vergangen, seitdem lebt Bruce Wayne wie ein Eremit mit Butler Alfred auf seinem Anwesen. Auch die Bürger von Gotham City haben ihn, den sie für den Tod ihres Stadtvaters Harvey Dent verantworlich machen, vergessen. Das Dent-Gesetz hat den korrupten Sumpf der Stadt trockengelegt. Doch schon im Prolog von "The Dark Knight Rises" bahnt sich neue Gefahr an. Bei einem spektakulären Gefängnisausbruch durch die Luft wird der Terrorist Bane, gespielt von einem unkenntlich gemachten Tom Hardy, befreit. Die Nachricht ereilt Bruce Wayne just in dem Moment, als er sich wieder für die Geschäfte seines Konzerns zu interessieren beginnt, denn seine Stiftung musste die finanzielle Unterstützung von Waisenheimen einstellen.

Das Waisen-Thema ist in "The Dark Knight Rises" ein zentrales Motiv, das Traumata und Racheschwüre nach sich sieht. Der junge Polizist John Blake wuchs im selben Waisenhaus wie Bruce Wayne auf; er hat ein persönliches Interesse daran, dass Wayne sich für die Unterstützung elternloser Kinder einsetzt. Obdachlose Waisen werden allerdings vom sinistren Bane für den Bau eines unterirdischen Riesengewölbes rekrutiert. Bane wiederum ist angeblich der verstoßene Sohn von Ra's al Ghul, Anführer der mysteriösen Schattenliga, mit denen Batman bereits im ersten Film zu kämpfen hatte.

"The Dark Knight Rises" spart nicht mit großen Themen und salbungsvollen Worten. Nolan holt noch einmal ganz weit aus mit 165 Minuten, um seine Saga zu einem krönenden Abschluss zu bringen und nebenbei einige lose Enden zu verbinden. So werden in "The Dark Knight Rises" unter anderem die Finanzmärkte attackiert, ein Footballstadion gesprengt, die Polizeistreitkräfte der Stadt im Kanalsystem eingeschlossen und Gotham City in ein Riesengefängnis verwandelt – während Bruce Wayne nach einer Konfrontation mit Bane schwer lädiert in einer Höhle in Usbekistan festsitzt.

Nolan greift mit "The Dark Knight Rises" erstmals Elemente des "Knightfall"-Zyklus aus den 1990er-Jahren auf, in dem Batman es mit einer neuen Generation von Schwerverbechern zu tun bekam. Prunkstück in dieser Sammlung war Bane, ein mit Steroiden aufgepumpter Hüne, der gleich im ersten Teil Batman das Rückgrat brach. Leider entpuppt er sich im Kino als eine eher enttäuschende Schöpfung in der Tradition der eindimensionalen Cartoon-Schurken aus der Ära Bob Kanes. Banes Vorgeschichte, die Nolan ausführlich erzählt, gewinnt seinem Charakter wenig Nuancen ab. Sein Plan ist größenwahnsinnig und entsprechend faszinierend, aber es fehlt ihm am anarchischen Witz von Heath Ledgers Joker, der keine ideologischen Ziele verfolgte außer der moralischen Zersetzung von Gotham City.

Auf Umwegen zurück zum ersten Film um die Schattenliga

Mit Bane und Ra's al Ghul werden die Fantasie-Elemente wieder stärker betont, die Nolan im zweiten Film zugunsten seines Augenmerks auf gesellschaftliche Fragen in den Hintergrund drängte. So bekommt "The Dark Knight Rises" einen stellenweise moralischen Unterton, was sich nicht zuletzt in den immanenten Anspielungen auf die aktuelle Bankenkrise äußert. Denn Bane, so stumpf er in seiner Gladiatorenkostümierung auch aussehen mag, ist in Wirklichkeit ein Kämpfer für die Entrechteten.

Etwas frischen Wind bringt Anne Hathaway als Selina Kyle. Auch sie hat es auf die Reichen abgesehen, die beim Umsturz von Gotham City, wenn der Mob Seite an Seite mit den befreiten Schwerverbechern aus dem Arkham Asylum durch die Straßen marodiert, wehrlos aus ihren Villen geschliffen werden. Bruce Wayne nimmt in diesem Klassenkampf zunächst eine zwiespältige Rolle ein. Am Ende ist er aber doch zu sehr Waisenjunge und erst an zweiter Stelle Milliardär, als dass er Bane und seine hässlichen Mitstreiter widerstandslos gewähren lassen könnte.

"The Dark Knight Rises" ist bis ins Detail atemberaubend inszeniert, und er leistet sich hier und da sogar einige politische Seitenhiebe. Trotzdem ist er in vielerlei Hinsicht weniger konsequent als sein Vorgänger. Wo sich die Zivilisationskritik von "The Dark Knight" noch selbst in der Architektur von Gotham City abzeichnete, wählt Nolan zum Abschluss der Trilogie den bequemen Weg der Überwältigung. Sein Arbeitgeber Warner Bros. dürfte zufrieden sein. Nolans Ruf als Autorenfilmer des Blockbusterkinos hat dennoch ein paar kleinere Schrammen abbekommen. Man merkt dem Film ab dem ersten Drittel an, dass Nolan sich mit der Verantwortung, so viele verschiedene Interessen bedienen zu müssen, schwer tut.

Andreas Busche

The Dark Knight Rises, USA, Großbritannien 2012, Regie: Christopher Nolan, Buch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan, mit Christian Bale, Anne Hathaway, Tom Hardy, Marion Cotillard, Joseph Gordon-Levitt, Michael Caine, Gary Oldman u.a., ab 12, 164 min, Kinostart: 26. Juli 2012 bei Warner Bros.

Fotos: © 2012 Warner Bros. Entertainment Inc. & Legendary Pictures Funding, LLC



Mehr Infos zu "The Dark Knight Rises"

"The Dark Knight Rises" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "The Dark Knight Rises"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "The Dark Knight Rises" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




Kommentare

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Was bisher geschah...

Kiki | 2. August 2012   15:30

The Dark Knight Rises

Gut geschriebener Artikel!Jedoch heißt die Dame Anne Hathaway und spielt Selina Kyle (Catwoman),nicht Batgirl :)

Jasmin | 27. Juli 2012   14:08

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