The United States of Hoodoo

Nicht bloß Hokuspokus

Kinostart: 26.7.2012 | Melanie Dorda | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Abgeschnittene Hühnerfüße und mit Nadeln gespickte Püppchen darf man nicht erwarten, wenn sich Schriftsteller Darius James ("That's Blaxploitation", "Negrophobia") mit Voodoo beschäftigt. Eher eine Ansammlung schillernder Persönlichkeiten und Verweise zu Politik und Popkultur. Nach dem Tod seines Vaters kehrt James in sein Elternhaus in der Nähe von New York zurück. Angesichts der Maskensammlung des Verstorbenen fragt er sich, wie stark sein Vater – ein Maler und Bildhauer – von afrikanischer Spiritualität, sprich Voodoo, beeinflusst war, ohne es zugeben zu wollen. Um herauszufinden, was es mit Voodoo auf sich hat und wo er seine Spuren in der US-amerikanischen Kunst und Kultur hinterlassen hat, startet Darius James eine Reise durch die USA.

Seine Suche ist auch für Skeptiker, die nichts mit Spiritualität anfangen können, interessant, weil sie gleichzeitig eine Geschichte von Macht und Unterdrückung, aber auch Kreativität und Einflussnahme erzählt. Sie verharrt nicht im Mystischen, sondern deckt Zusammenhänge auf. Wenn Darius James am African Burial Ground National Monument, einer Gedenkstätte auf einem ehemaligen Sklavenfriedhof mitten im Finanzdistrikt von Manhattan, mit einer Volksschullehrerin und Aktivistin nach Zeichen für den afrikanischen Gott Legba sucht, erfährt man ganz nebenbei, wie stark die Erfolgsgeschichte der amerikanischen Banken auf der Institution der Sklaverei basiert und dass diese Fakten in Schulbüchern immer noch ausgespart werden. James lässt sich von Voodoo-Rythmen in Electro-Sounds inspirieren und spricht mit bildenden Künstlern darüber, warum die afrikanische Ästhetik en vogue, die damit verbundene Spiritualität aber verpönt ist. Er trifft Musiker, Künstler, Intellektuelle und eine Voodoo-Priesterin mit ukrainischen Wurzeln, deren Religiosität oft erfrischend pragmatisch ist. Und er erfährt, wie viel Voodoo in Blues, Jazz und der Südstaaten-Küche steckt. Gemeinsam mit dem Filmemacher Oliver Hardt liefert er einen subjektiven, aber modernen, erhellenden und teils witzigen Blick auf ein Phänomen, das sonst von Klischees und Vorurteilen überfrachtet ist.
Melanie Dorda

The United States of Hoodoo, Dokumentarfilm, Deutschland, USA 2012, Regie: Oliver Hardt, Buch: Oliver Hardt, Darius James, mit Darius James, Val Jeanty, Shantrelle P. Lewis, Kanene Holder, Danny Simmons, Sallie Ann Glassman u.a., o.A., OmU, 100 min, Kinostart: 26. Juli 2012 bei Real Fiction

Foto: © Stoked Film Produktion



Mehr Infos zu "The United States of Hoodoo"

"The United States of Hoodoo" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
"The United States of Hoodoo" - Filminfos vom deutschen Verleih
"The United States of Hoodoo" auf filmportal.de
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