Der Lorax

Sag mir, wo die Bäume sind

Kinostart: 19.7.2012 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Hollywood hat sich mit "Der Lorax" der "Pixarisierung" des Dr.-Seuss-Universums angenommen, mit mittelprächtigem Erfolg. Das Bilderbuch aus dem Jahr 1972, auf dem Chris Renauds und Kyle Balds Animationsfilm basiert, zählt zu den Klassikern der Öko-bewussten Kinderliteratur. Bei Universal hatte man wohl gehofft, an den künstlerischen und finanziellen Erfolg des Öko-SciFi-Märchens "Wall-E" anknüpfen zu können. Eine Frage stellt sich bei einem dünnen Bändchen wie "Der Lorax" jedoch automatisch. Wie kriegt man so wenig Handlung bloß in einem abendfüllenden Film unter? Spike Jonze hatte dieses Problem mit "Wo die wilden Kerle wohnen" genial gelöst. Er setzte Maurice Sendaks Figuren kurzerhand auf die Psychiatercouch.

Renaud und Bald entschieden sich dafür, die Handlung der Vorlage um ein paar Elemente auszubauen. Dieser Schritt beschert ihrem Film neue Figuren, die dem ursprünglichen Anliegen von Theodor Geisel alias Dr. Seuss wenig dienlich sind, den Film aber um einige Gesangsnummern bereichern – was wiederum Fans des "High School Musical"-Franchises erfreuen wird, deren Hauptdarsteller Zac Efron im englischen Original auch den Sprechpart des jungen Ted übernimmt. In der Wirtschaftssprache nennt man so etwas einen "Synergieeffekt".

Ted lebt in der abgeschotteten Kunstwelt von Thneedville, deren Besitzer Aloysius O'Hare seinen Bewohnern saubere Luft in Flaschen verkauft. Bäume sind schon vor langer Zeit durch Plastikgewächse ersetzt worden. Ted ist unsterblich in die schöne Audrey verliebt, die sich nichts sehnlicher wünscht als einen echten Baum (die im Film wie Cheerleader-Puschel am Stiel aussehen). Also begibt sich Ted jenseits der großen Mauer, die Thneedville einschließt, um dem Rätsel der verschwundenen Bäume auf die Spur zu kommen. In einer verödeten Apokalypse-Landschaft trifft er auf den mysteriösen Once-ler, der ihm von dem Baumgeist Lorax berichtet – und von seiner Schuld an der Zerstörung der Natur.

Anders als die Filme von Pixar ist "Der Lorax" ausschließlich auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten, wie sich unschwer an den albernen Gesangseinlagen und der etwas zu aufdringlich platzierten Öko-Botschaft erkennen lässt. Der Titelheld des Films ist gleichzeitig sein Retter. Der auch in der deutschen Synchronisation von Danny DeVito gesprochene Lorax stiehlt allen die Schau. Die Plüschkartoffel mit Riesenschnauzer und komischem Akzent ist fast so cool wie Ober-Jedi Yoda und lässt noch schwach erahnen, wie charmant die Geschichten von Dr. Seuss sind, wenn man sie nicht herzlosen Marketingstrategen überlässt.
Andreas Busche

(The Lorax) Animationsfilm, USA 2012, Regie: Chris Renaud, Buch: Ken Daurio, Cinco Paul nach der gleichnamigen Geschichte von Dr. Seuss, 89 min, Kinostart: 19. Juli 2012 bei Universal

Foto: © Universal



Mehr Infos zu "Der Lorax"

"The Lorax" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Der Lorax"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Der Lorax" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




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