Die 1000-Euro-Generation

Du hast keine Chance, aber nutze sie

Kinostart: 19.7.2012 | Christian Horn | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Wer heute eine Berufsausbildung oder einen Universitätsabschluss in der Tasche hat, auf den warten meist unbezahlte oder mit einem Taschengeld entlohnte Praktika, befristete Arbeitsverträge oder sonstige prekäre Jobverhältnisse. In Italien trägt die Generation der etwa 30-Jährigen, die mit dieser Lage umgehen muss, in Anlehnung an den gefühlten Durchschnittsverdienst den Namen "Die Generation 1000 Euro". Den dazu passenden, gleichnamigen Roman von Antonio Incorvaia und Alessandro Rimassa hat Regisseur Massimo Venier vor 2009 in eine sympathische Gesellschaftskomödie umgesetzt, die nun auch in die deutschen Kinos kommt.

Im Zentrum des Films steht Matteo, ein promovierter Mathematiker, der in der Marketing-Abteilung eines großen Konzerns in Mailand arbeitet und nebenher Vorlesungen an der Universität hält. Seine Miete und alle weiteren monatlichen Kosten kann der junge Mann dennoch nur mit Ach und Krach aufbringen. Gemeinsam mit seinem besten Freund Francesco, der als Filmvorführer jobbt, teilt sich Matteo eine Wohngemeinschaft in der Vorstadt. Beatrice, die neue Mitbewohnerin der beiden, verdient ihr Geld mit Nachhilfestunden und wartet auf eine Vertretungsstelle an einer Schule, während Matteos Arbeitskollegin Angelica eine höhere Position in der Marketing-Abteilung innehat und ein Leben zwischen Geschäftsreisen und Meetings führt. Zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen fühlt sich Matteo hin- und hergerissen, was neben seiner finanziell prekären Lage ein weiteres Problem darstellt.

Die Story von "Die 1000-Euro-Generation" lebt in erster Linie von den romantischen Verwirrungen des Protagonisten, wobei der gesellschaftskritische Hintergrund jederzeit mitschwingt. Etliche Male thematisiert der Film das Fehlen von Geld, zeigt Kündigungen an Matteos Arbeitsplatz und verweist auf den Umstand, dass eine akademische Ausbildung keineswegs zwangsläufig in gesicherte Arbeitsverhältnisse führt, sondern das Arbeitsleben der "Generation Praktikum" einem Spießrutenlauf gleichkommt. Mit seinen liebenswerten Figuren und einem lockeren Erzählton verpackt Massimo Venier die gesellschaftliche Bestandsaufnahme in einen Unterhaltungsfilm, der den zahlreichen Leidensgenossen des Protagonisten aus der Seele spricht und letztlich dafür plädiert, den problematischen Umständen mit einer gewissen Entspanntheit zu begegnen.
Christian Horn

(Generazione mille euro) Italien 2009, Regie: Massimo Venier, Buch: Massimo Venier, Federica Pontremoli nach dem Roman "Generation 1000 Euro" von Alessandro Rimassa und Antonio Incorvaia, mit Alessandro Tiberi, Valentina Lodovini, Carolina Crescentini, Francesco Mandelli, Francesco Brandi u.a., OmU, 101 min, Kinostart: 19. Juli 2012 bei Kairos

Foto: © Kairos



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