Lady Vegas

Zocken in Hotpants

Kinostart: 3.7.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

In seiner fast 45-jährigen Regiekarriere war Stephen Frears sehr oft auf der Gewinnerseite. Während er von Film zu Film von Genre zu Genre sprang, kamen mitunter so großartige Filme wie "Mein wunderbarer Waschsalon" (1985), "Gefährliche Liebschaften" (1988) oder "Die Queen" (2006) dabei heraus. In seinem aktuellen Werk "Lady Vegas" setzt er auf Beth Raymers autobiografischen Bestseller "Lay the Favorite: A Memoir of Gambling" und kehrt damit nach "Grifters" (1990) erneut in die Welt des Glücksspiels und der Sportwetten zurück. "Lady Vegas" lautet der deutsche Titel, und diese Lady ist gar nicht so ladylike: Beth (Rebecca Hall) ist sexy, herzig naiv, plappert drauflos und trägt am liebsten Hotpants. Zu Beginn des Films kommt sie eigentlich nach Las Vegas, um Cocktail-Kellnerin zu werden. Dann aber landet sie im Büro von Wettprofi Dink (Bruce Willis), wo sich schnell herausstellt, dass sie nicht nur lange Beine, sondern auch ein Zahlengedächtnis hat, das im Wettbusiness Gold oder viel mehr viel Geld wert ist.

Während Beth so in die Buchmacherei stolpert, führen die Turbulenzen um Liebe, Eifersucht und einen ganzen Batzen Geld, die zwischen der Glücksspielstadt und New York ausgelöst werden, durchaus zu einigen amüsanten Augenblicken. Die sind aber vor allem den spielfreudigen Darstellern zu verdanken: Rebecca Hall ("Vicky Cristina Barcelona") etwa, die hier mal nicht introvertiert, sondern gegen ihren Typ besetzt ist. Bruce Willis, der einen unglaublich liebenswerten Wettonkel abgibt, der sich das ein oder andere Mal köstlich in kleine Verzweiflungen treiben lässt. Und Catherine Zeta-Jones als durchgebotoxte Hausfrauen-Furie. Frears' Inszenierung wirkt hier allerdings wie die eines nicht sonderlich inspirierten Regiehandwerkers: Denn "Lady Vegas" ist für eine Komödie nicht wirklich komisch, für eine Satire nicht pointiert genug und in den Drama-Passagen zu oberflächlich, um irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Über weite Strecken treibt der Film daher leidlich unterhaltsam vorbei und plätschert äußerst unaufgeregt dahin. "Lady Vegas" entpuppt sich so als eine eigentlich todsichere Wette, bei der man letztlich aber deutlich weniger herausbekommt, als man sich bei diesem Regisseur und seinem All-Star-Cast erhofft hätte.
Sascha Rettig

(Lay the Favorite) USA, Großbritannien 2012, Regie: Stephen Frears, Buch: D.V. DeVincentis nach der Autobiografie von Beth Raymer, mit Bruce Willis, Rebecca Hall, Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn, Joshua Jackson u.a., ab 12, 94 min, Kinostart: 19. Juli 2012 bei Wild Bunch

Foto: © Wild Bunch Germany



Mehr Infos zu "Lady Vegas"

Die deutsche Website zum Film
Filminfos in der Internet Movie Database
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