Otto Sander und Angelica Domröse
Dass es dank zunehmender Überalterung mehr und mehr Seniorenkomödien geben wird, ist Tatsache. Und warum auch nicht? Menschen sollten ihren Humor schließlich nicht kurz vor dem Löffel abgeben. "Bis zum Horizont, dann links" spielt mit typischen Seniorenspaß-Zutaten wie dem "New Oldie on The Block" (Angelica Domröse als Neue im Altersheim), dem Graue-Schläfen-schützen-nicht-vor-hübschen-Beinen-Syndrom (Otto Sander als immer noch charmanter Silberrücken), der üblichen Gebissvertauschnummer und der Weisheit "Neue Besen kehren gut, aber die alten kennen die Winkel".
Regisseur Böhlich rührt aus all diesen Klischees dennoch eine einigermaßen unterhaltsame, elegant gespielte Komödie, in der ein fideles Altersheim aus Langeweile und Anstiftung durch den Aufrührer Sander einen Rosinenbomber entführt. Anstatt eines Rundfluges brechen die Alten zum Horizont auf, alle machen ihre erwartbaren Wandlungen durch (starre Ehepaarstruktur bricht auseinander, Jungspunt-Besserwisser bekommt die Leviten gelesen, Abenteuer- und andere Lust erwacht) und haben am Ende eine ziemlich schöne Zeit gehabt. Hatte der Zuschauer auch, allerdings könnte man den Alten und Jungen durchaus noch spitzere Gags, bitterere Sprüche und verrücktere Konstellationen zumuten. Alte Menschen mögen von gestern sein, naiv und zart besaitet sind sie deshalb noch lange nicht.
Jenni Zylka
Bis zum Horizont, dann links!, Deutschland 2012, Buch & Regie: Bernd Böhlich, mit Otto Sander, Angelica Domröse, Ralf Wolter, Herbert Köfer, Anna Maria Mühe, Herbert Feuerstein, Monika Lennartz u.a., o.A., 93 min, Kinostart: 12. Juli 2012 bei Neue Visionen
Foto: © Neue Visionen
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