Os residentes

Situationskino

Kinostart: 12.7.2012 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Neun Menschen, mit eingerechnet ein kleiner Junge, bewohnen ein Abrisshaus irgendwo in Brasilien. Wer genaue Koordinaten braucht, könnte sich Sao Paulo vorstellen, doch auf das Wo kommt es bei "Os residentes" nicht wirklich an. Wichtiger ist diesen Frauen und Männern, wie sie wohnen: nämlich intensiv und ästhetisch gehaltvoll. Soll heißen: Jede Geste, jeder Blick in diesem Film wird so dahingeworfen, als buhle Mann und Frau jederzeit um ein anonymes Publikum. Mit einer jungen Frau beginnt der Film. Sie passiert ein knallgelbes Gitter, starrt dabei ins Leere, während Musik ins Bild tropft. Dann vertieft sich das Kameraauge in die Struktur eines bunten Textilgewebes. Schnitt. An einem Holzbügel hängt einsam ein buntes T-Shirt. Der Titel der folgenden Episode flammt auf. Man betrachtet aus der Vogelperspektive Menschen, wie sie sich über einen großen, mit Steinplatten bepflasterten Platz bewegen. Schnitt. Diesem Muster wird "Os residentes" 120 Minuten lang folgen, Episoden aneinanderreihen – mal mit mehr, mal mit weniger Personen. Das meiste passiert in besagtem Haus, das dabei mehr und mehr verrottet. So kann man durch ein Loch in der Wand eine Blondine beobachten, die gefesselt in einer Badewanne liegt. Ihr Bewacher sitzt auf dem Klo und scheißt. Derweil liest er einen philosophischen Text vor und wischt sich dann mit der gelesenen Seite den Hintern ab. Oder sechs Menschen führen einen Straßenkampf als Pantomime auf, später dann wird sich eine auf einem Erdhügel suhlen.

Regisseur Tiago Mata Machado kam 1973 auf die Welt, ungefähr zu jener Zeit war diese Art von Kunst gerade noch en vogue. Situationskunst, Happenings verbrämt mit Versatzstücken und Bezügen zu bereits verebbten Avantgarde-Strömungen. Machados Akteure zitieren bestenfalls, wollen provozieren und scheitern daran. Wortreich vermag Machado seine Intention im Presseheft zu verpacken, schließlich hat er Kunst studiert, arbeitet als Filmkritiker, Kurator und Video-Künstler. Doch "Os residentes" ist nur mit viel Geduld zu ertragen: zu nichtsagend, zu beliebig, zu langweilig.
Cristina Moles Kaupp

Os residentes, Brasilien 2010, Buch & Regie: Tiago Mata Machado, mit Melissa Dullius, Gustavo Jahn, Jeane Doucas, Simone Sales de Alcântara, Dellani Lima u.a., OmU, 120 min, Kinostart: 12. Juli 2012 bei Arsenal Distribution

Foto: © Arsenal Distribution



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