The Raid

Stirb schnell

Kinostart: 12.7.2012 | Tim Slagman | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Kurze Tritte aus dem Unterschenkel, aus dem Fußgelenk, eins, zwei, drei. Der Ellbogen als Waffe, kein langes Ausholen mehr, wenig Schwung, dafür unmittelbare, direkte Umsetzung der Kraft und vor allem: eine wahnsinnige Frequenz, die Schläge prasseln nur so auf den Gegner ein. Die Schläge – oder das Messer, oder die Machete. In Südostasien gibt es zahllose Kampfkünste zu entdecken, die sich ästhetisch gewaltig unterscheiden von der betonten Eleganz, der geschmeidigen Pose und der Ironie, die vor allem Jackie Chan mit seinem akrobatischen Stilmix auch im Westen populär gemacht hat. Da nimmt es nicht Wunder, dass auch die filmische Umsetzung bisweilen erdiger und humorloser ausfällt.

Dabei sind die drei Teile der thailändischen "Ong-Bak"-Serie sicher die prominentesten Vertreter dieser exotischen Härte und bereiteten womöglich erst den Weg für Gareth Evans "The Raid", der Indonesien mit einem lauten Knall auf die Kino-Landkarte setzt. Die Geschichte spielt sich in Echtzeit um einen einzigen Schauplatz ab: ein heruntergekommenes Apartmenthaus irgendwo im Land. Hier betreibt ein Drogenboss nicht nur seine eigene Giftküche, sondern vermietet als Besitzer des Komplexes auch praktisch das ganze Gebäude an zwielichtige, treu untergebene und in Nahkampf und Waffeneinsatz durchaus geübte Zeitgenossen.

Eine Spezialeinheit der Polizei will diesen riesigen Unterschlupf ausheben. Doch die Männer geraten in einen Hinterhalt, Verstärkung ist nicht zu erwarten, und so beginnt ein gnadenloser und äußerst blutiger Kampf über die Stockwerke hinweg. Um seinen Hauptdarsteller Iko Uwais und dessen Stil des "Pencak Silat" will Evans eine Trilogie basteln, deren zweiter Teil "The Raid" bereits ist. Und es ist wenig überraschend, dass dieser es dann auch hierzulande in die Kinos geschafft hat, verbindet Evans doch sehr effektiv die unterschiedlichen Filmkulturen.

Der souverän komponierte Rhythmus aus Adrenalin und Erholung und die Fundierung der Hauptfigur in einer zunehmend komplexeren Familiengeschichte sind seit je das Erfolgsrezept des US-amerikanischen Action-Blockbusters. Doch diesen fügt Evans eine Ehrlichkeit bei, die auf Jugendschutz pfeift: Hier ist das Töten schmutzig, es geschieht dennoch im Akkord, und die Wohnungen scheinen nicht mit hohem Einsatz von Material und Geld auf abgewohnt und dreckig getrimmt, sondern beschreiben anscheinend tatsächlich die Lebensumstände einer bestimmten, wohl gar nicht so kleinen Schicht der indonesischen Gesellschaft.

Man hüte sich natürlich davor, diesen Film als soziologische Studie misszuverstehen. Nicht umsonst spielt er überall, nirgends und irgendwann. In diesem eigens erschaffenen Mikrokosmos lässt Evans Gewalt und Kinetik explodieren, in einem dicht erzählten Film von höchster Konzentration.
Tim Slagman

(Serbuan maut) Indonesien, USA 2011, Buch & Regie: Gareth Evans, mit Iko Uwais, Ray Sahetapy, Joe Taslim, Doni Alamsyah, Yayan Ruhian u.a., ab 18, 101 min, Kinostart: 12. Juli 2012 bei Koch Media

Foto: © Koch Media



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