Ice Age 4 - Voll verschoben

Fang die Eichel!

Kinostart: 2.7.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der Besitz der Eichel bleibt weiterhin ein schöner Traum. Solange der globale Kassensturz stimmt, muss Scrat weiter dem Objekt seiner Fressbegierde nachhecheln – auch in "Ice Age 4 - Voll verschoben" ist das nicht anders. Allerdings löst das hektische Säbelzahnhörnchen in seinen Jagdszenen nach dem Höher-schneller-weiter-Prinzip von Hollywood-Fortsetzungen mittlerweile jedoch Kettenreaktionen monumentalen Ausmaßes aus. Gleich zu Beginn des vierten Teils fällt es tiefer und tiefer und tiefer in eine Spalte des Urkontinents und landet – wie auch die Eichel – auf dem heißen Erdkern. Doch als Scrat beginnt, darauf der Eichel hinterherzurennen, wird der Kern in rasende Bewegung versetzt, was an der Erdoberfläche wiederum dazu führt, dass die Landmassen auseinanderbrechen.

Davon mal abgesehen schiebt das Kerlchen wie immer auch die Handlung für die anderen bekannten Eiszeittiere an. Mammut Manni, Säbelzahntiger Diego und das tollpatschige Faultier Sid (erneut vom deutschen Komikfossil Otto Waalkes synchronisiert) werden durch die massiven Verschiebungen von ihrer Herde getrennt. Mammut-Frau Ellie und ihre Tochter, mittlerweile ein Teenager mit entsprechenden Problemen, suchen zusammen mit den anderen Tieren ihren Weg zum verabredeten Treffpunkt auf dem Festland, während die anderen drei mit Sids irrer Oma im Schlepptau plötzlich auf einer Eisscholle auf hoher See treiben. Der abenteuerliche Weg zurück zur Familie führt dabei durch einige Turbulenzen: Bis am Ende die simplen Botschaften über familiären Zusammenhalt und wahre Freundschaft unter die Zuschauerschaft gebracht sind, trotzen Sid & Co. tosenden Stürmen. Und sie klauen einer Piratenbande das Eisschiff, müssen den Rufen echsenartiger Sirenen widerstehen und sich einen Showdown mit dem garstigen Affenfreibeuterkapitän Utang liefern.

Um Ermüdungserscheinungen vorzubeugen, verlassen sich die Regisseure Mike Thurmeier und Steve Martino bei "Ice Age 4" auf die in den vorherigen Teilen erprobte Vorgehensweise. Sie stürzen die beliebten, aber inzwischen weitestgehend auserzählten Eiszeitcharaktere in eine neue Situation, lassen dazu einige Neuzugänge aufkreuzen und kombinieren Slapstick und Running-Gags mit schlitternder Action inmitten zusammenkrachender Eismassen und Verfolgungsjagden in spiegelglatter Permafrost-Landschaft. Das ganze Getöse passt zwar bestens zum 3D, das mitunter recht anstrengend auf das Publikum einstürzt. Es wirkt aber auch wie ein andauerndes Ablenkungsmanöver. Denn die Handlung ist dünn, der Humor bleibt durchweg simpel und eröffnet nur selten Ebenen, die nicht nur für ganz junge Zuschauer interessant sind. Und abgesehen vielleicht von Sids Omi verharren die neuen Charaktere wie die freibeuterischen Gegenspieler in der Ein-Gag-Dimension, ohne so einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu können. Am Ende rinnt Scrat in einer amüsanten Schlussepisode das große Glück einmal mehr durch die kleinen Krallen. Doch man sollte ihn langsam verschonen vor weiteren Nachjag-Torturen, Endlosenttäuschungen, "Ice Age"-Filmen. Gönnt dem Säbelzahnhörnchen doch endlich den dauerhaften Eicheltraum!
Sascha Rettig

(Ice Age: Continental Drift) Animationsfilm, USA 2012, Regie: Steve Martino, Mike Thurmeier, Buch: Michael Berg, Jason Fuchs, 86 min, Kinostart: 2. Juli 2012 bei 20th Century Fox

Foto: © 2011 Twentieth Century Fox



Mehr Infos zu "Ice Age 4"

"Ice Age: Continental Drift" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Ice Age 4"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Ice Age 4" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)