Sleep Tight

Der Hauswart

Kinostart: 5.7.2012 | Jörn Hetebrügge | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Gut, dass es ihn gibt: Als Concierge in einem noblen Mietshaus in Barcelona sorgt César nicht nur für Sicherheit und Ordnung. Der Mann am Empfang hat auch stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bewohner. Hilfsbereit kümmert er sich um Señora Veronicas durchfallgeplagtes Hündchen. Und der schönen Clara liest er ohnehin jeden Wunsch von den Augen ab. Bloß ein alter Choleriker hat es auf ihn abgesehen: ein Pedant, der kleinste Verfehlungen registriert und César droht, Nachforschungen über seine Vergangenheit anzustellen.

Niemand ahnt, dass der Alte mit seiner Einschätzung goldrichtig liegt. Denn tatsächlich ist Césars Freundlichkeit aufgesetzt. Hinter seiner Fassade verbirgt sich ein Psychopath, der seine Lebensaufgabe darin sieht, das Glück anderer zu zerstören. Sein Interesse gilt dabei vor allem Clara, in deren Wohnung er sich nachts einschleicht, um die Schlafende mit Chloroform zu betäuben und sich zu ihr ins Bett zu legen. Doch das reicht ihm auf die Dauer nicht aus.

Es besteht ein seltsames Vergnügen darin, Profis auf der Leinwand bei ihrer Arbeit zuzusehen. Egal, ob es sich dabei um strahlende Helden handelt oder um Bösewichter – allein dass sie ihren Job planmäßig und sauber verrichten, nimmt einen erst mal für sie ein. Um diese Wirkung weiß natürlich auch der als Horrorspezialist bekannt gewordene spanische Regisseur Jaume Balagueró. Und es bereitet ihm augenscheinlich einen Heidenspaß, seinem Publikum mit César einen besonders perfiden Widerling aufzudrängen.

Dass das durchaus funktioniert, liegt einerseits an der Leistung des Hauptdarstellers Luis Tosars, der César eine starke Präsenz verleiht, ohne ihn zum genialen Monster zu überhöhen. Ebenso wichtig ist freilich, dass Balagueró seinen Hitchcock gelernt hat. Doch hier liegt auch ein Problem von "Sleep Tight": Der Raffinesse, mit der Balagueró seinen Plot entwickelt, haftet etwas Angeberisches an. Zu offensichtlich gefällt sich der Regisseur in seiner Rolle als Manipulator, als dass sein Film eine wirklich beunruhigende Wahrhaftigkeit entwickeln könnte. Auffällig auch, wie wenig Interesse der Regisseur für gesellschaftliche Realitäten zeigt. Immerhin besteht die Aufgabe eines Concierge ja nicht zuletzt darin, seine bürgerliche Klientel vor der Außenwelt abzuschirmen – ein Aspekt, den der Film trotz zugespitzter sozialer Lage in Spanien völlig ignoriert. Dass man als Zuschauer in die Position gezwungen wird, mit einem Spießbürger mitzufiebern, der perverse Allmachtsfantasien in die Tat umsetzt, mag man so zwar als unangenehme Erfahrung verbuchen, sagt aber letztlich weniger über eigene Abgründe aus als über die Eitelkeit eines talentierten Filmemachers.
Jörn Hetebrügge

(Mientras duermes) Spanien 2011, Regie: Jaume Balagueró, Buch: Alberto Marini, mit Luis Tosar, Marta Etura, Alberto San Juan, Pep Tosar, Tony Corvillo u.a., ab 16, 100 min, Kinostart: 5. Juli 2012 bei Senator

Foto: © Senator



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