Woody Allen: A Documentary

Der Mann mit der Brille

Kinostart: 5.7.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Woody Allen liegt auf dem Bett in seinem Schlafzimmer. In einer Szene in Robert B. Weides "Woody Allen: A Documentary" hat er ein Kästchen hervorgekramt und schüttet einen ganzen Haufen Papier auf die Decke. Alte Servietten, Schnipsel, Zettel, auf die er spontane Einfälle und Ideen für Filme geschrieben hat – und von denen hat er nach eigener Aussage auch immer noch mehr als genug. Der 76-jährige New Yorker Filmemacher, der mit seiner berühmten schwarzen Brille und seinen meist in Komödien äußerst komisch vorgetragenen Beziehungsneurosen zur Kinoikone geworden ist, könnte offenbar noch Jahrzehnte weiter drehen. Bislang bringt er es in einer über 40 Jahre andauernden Karriere auf über 40 Filme und jedes Jahr kommt mit schöner Regelmäßigkeit einer dazu. Viel Stoff also für eine Doku, die in rund 110 Minuten Allens Leben und Schaffen überwiegend chronologisch nachzeichnet.

Den ersten Jahren widmet sie sich zunächst noch etwas ausführlicher. Wo ist Allen aufgewachsen? Woher kommen der Künstlername und das Brillengestell? Und wie ist er zum Gagschreiber, Stand-Up-Comedian und letztlich zum Filmemacher geworden? Aus dieser Zeit hat Weide einige höchst amüsante Archiv-Ausschnitte ausgegraben, die Allen unter anderem dabei zeigen, wie er in einer frühen TV-Show mit einem Känguru boxte. Diese Schnipsel verbindet der Regisseur den gesamten Film hindurch nicht nur mit den Erinnerungen einiger Wegbegleiter, Ex-Frauen und Schauspieler von Diane Keaton bis zum mittlerweile 97-jährigen Produzenten Jack Rollins. Auch der öffentlichkeitsscheue Porträtierte selbst kommt immer wieder zu Wort, den Weide erstaunlicherweise für sein Doku-Vorhaben gewinnen konnte.

Danach allerdings bewegt sich der Film mit wachsender Beschleunigung durch die Filmographie des Regisseurs und versucht, jedes Werk irgendwie zu berücksichtigen. Bei den ganz großen Meilensteinen in der Karriere verharrt er ein bisschen länger. Bei diesem prallen Oeuvre ist in den meisten Fällen jedoch kaum mehr Zeit als für einen Ausschnitt und ein, zwei Statements. Uneingeweihte bekommen dabei durchaus einen guten Überblick über das Werk, Allens Vorgehensweise als Autor und Regisseur und seine immer wiederkehrenden, mitunter philosophischen Themen wie die Suche nach dem Sinn in dieser irdischen Existenz und was danach wohl kommen könnte – oder auch nicht.

Am schönsten und interessantesten sind daher letztlich die Momente, wenn Allen selbst kontrolliert dosierte, rare Einblicke in sein Leben und seine Arbeit erlaubt. Wenn er das Haus aufsucht, in dem er einst in Brooklyn aufwuchs. Er seine deutsche Schreibmaschine präsentiert, an der er bis heute seine Drehbücher tippt. Oder er sich bei der Arbeit mit seinen Schauspielern am Set über die Schulter schauen lässt. "Woody Allen: A Documentary" ist so aber kaum mehr als eine kleine, unterhaltsame Woody-Kunde, die sehr oft amüsant und manchmal erhellend ist, aber sich auch ein wenig in der Materialfülle verliert.
Sascha Rettig

Woody Allen: A Documentary, Dokumentarfilm, USA 2011, Buch & Regie: Robert B. Weide, mit Penélope Cruz, Sean Penn, Martin Scorsese, Leonard Maltin, Larry David, Scarlett Johansson u.a., OmU, o.A., 113 min, Kinostart: 5. Juli 2012 bei NFP

Foto: © B Plus Productions



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