Copacabana

Die Eine-Frau-Show

Kinostart: 28.6.2012 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Babou ist ein Freigeist, ein Kind der 1970er-Jahre. Sie lebt den Moment: ungebunden, unangepasst, wild – und ständig pleite. Für einen Teenager wäre das ja noch in Ordnung, nur ist Babou eine erwachsene Frau um die 50. Als sie bei einem Jobinterview durchfällt, räumt sie aus Trotz erst einmal die Auslage des Geschäfts ab. Ihrer Tochter Esmeralda sind die jugendlichen Avancen der Mutter, die mit ihren bunten Outfits und dem auffälligen Make-Up an einen Paradiesvogel erinnert, einfach nur peinlich. Esmeralda ist das komplette Gegenteil. Mit ihrer biederen Art revoltiert sie insgeheim auch gegen die Grenzenlosigkeit der Mutter. Als die Tochter ankündigt, dass sie ihren Freund heiraten wolle, ist Babou zunächst erstaunt, später dann verletzt, weil Esmeralda ihr untersagt, an der Hochzeitsfeier teilzunehmen. Sie schämt sich für ihre Mutter. Babou beschließt, dass es an der Zeit ist, mit ihrem Leben aufzuräumen. "Copacabana" ist ganz auf Isabelle Huppert zugeschnitten, die sich hier einmal von einer etwas anderen, lockereren Seite zeigt. Wenn Babou mit ihren Träumen vom fernen Brasilien im herbstlich-grauen Ostende an der belgischen Atlantikküste ankommt, prallen zwei Welten aufeinander. Sie soll für eine Immobilienfirma Ferienapartments verkaufen, eine Aufgabe, die sie sehr ernst nimmt – schließlich ist es ihr erster richtiger Job. Aber auch bei ihren Kolleginnen kommt ihre draufgängerische Art nicht an. Als Esmeralda sie an dem Urlaubsort ausfindig macht, kommt es zu einer Annäherung von Mutter und Tochter. Aber zu viele Enttäuschungen belasten das Verhältnis der beiden. Babou muss erkennen, dass sie sich nicht ändern will. Esmeralda wiederum muss lernen, ihre Mutter zu akzeptieren.

Der besondere Reiz dieser eher konventionellen Mutter-Tochter-Geschichte besteht darin, dass Regisseur Marc Fitoussi die Rolle von Esmeralda mit Hupperts leiblicher Tochter Lolita Chammah besetzt hat. Das lässt viele kleine Unzulänglichkeiten seiner Feelgood-Komödie, die oft am Rande des Klischees operiert, vergessen. Das Kraftfeld des Films ist natürlich Isabelle Huppert, die mitunter auch richtig schön nerven kann. "Copacabana" ist eine Ein-Frau-Show und eine nette Abwechslung für Huppert, die sich nach vielen Rollen im Charakterfach auch mal von ihrer durchgeknallten Seite zeigen darf.
Andreas Busche

Copacabana, Frankreich, Belgien 2010, Buch & Regie: Marc Fitoussi, mit Isabelle Huppert, Lolita Chammah, Aure Atika, Jurgen Delnaet, Chantal Banlier, Magali Woch u.a., OmU, o.A., 107 min, Kinostart: 28. Juni 2012 bei Kairos

Foto: © Kairos



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