Marieke (Hande Kodja) steht auf alte Männer
Marieke, eine selbstbewusste junge Frau um die zwanzig, hat eine Obsession: Sie steht auf alte Männer. Sehr alte Männer. Nach dem Sex, der in dem Film "Marieke und die Männer" von Sophie Schoukens lebensnah und detailliert gezeigt wird, selten aber erotisch ist, fotografiert Marieke ihre Liebhaber und reiht die Fotos zu Hause liebevoll auf, wie ein Raubtier, das zufrieden seine Beute betrachtet. Allerdings ist Marieke nur beim Sex so selbstbewusst. Ansonsten irrt sie orientierungslos durch ihr Leben, getrieben von dem Wunsch, von ihrer Mutter geliebt zu werden und vor allem herauszufinden, warum ihr Vater vor zwölf Jahren so plötzlich gestorben ist.
Die belgische Regisseurin verfolgt in ihrem Drama zielstrebig eine psychologisierende Sichtweise auf ihre Protagonistin. Denn Sex, insbesondere der mit Männern, die so alt sind, dass sie ihr Vater sein könnten, ist für Marieke eigentlich nur eine Flucht vor ihrem Trauma, dem Verlust des eigenen Vaters. Dass die Regisseurin für ihre Geschichte durchweg wunderbare Darsteller gefunden hat, allen voran Hande Kodja als Marieke, täuscht leider nicht darüber hinweg, dass der Film über weite Strecken hölzern und konstruiert wirkt. Die reduzierte Musik, die kargen, oft dunklen Räume und die Gefühlskälte, die von der Mutter, die selbst traumatisiert ist, ausgeht, tragen dazu bei, dass man als Zuschauer mehr oder weniger unbeteiligt das Schicksal von Marieke verfolgt. So wird aus dem Film über eine "erotische Obsession" weniger ein beklemmendes Porträt einer jungen Frau, die nur mühevoll ihre Ängste überwindet, sondern vielmehr ein psychologisierendes Abarbeiten einer Geschichte, bei der man den Grundgedanken der Regisseurin in jeder Szene durchschimmern sieht.
Cosima Grohmann
(Marieke, Marieke) Belgien, Deutschland 2011, Buch & Regie: Sophie Schoukens, mit Hande Kodja, Jan Decleir, Barbara Sarafian, Caroline Berliner, Philippe Van Kessel u.a., 85 min, Kinostart: 28. Juni 2012 bei Neue Visionen
Foto: © Neue Visionen
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