Simon

Familienepos XXL

Kinostart: 28.6.2012 | Melanie Dorda | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Schweden, Anfang der 1940er-Jahre: Simon Larsson wächst in einfachen Verhältnissen in der Nähe von Göteborg auf. Mutter Karin kümmert sich um Haus und Garten, Vater Erik ist Schreiner. Er möchte auch Simon zu einem Handwerker und ganzen Kerl erziehen. Doch der Junge vergräbt sich lieber in Bücher oder hängt in den Ästen einer alten Eiche seinen Tagträumen nach. Auf Einwirken der verständnisvollen Mutter darf Simon die höhere Schule in Göteborg besuchen, wo er sich mit Isak anfreundet, der aus einer gut situierten jüdischen Familie stammt. Isaks Vater Ruben ist ein Schöngeist und betreibt eine Buchhandlung in Göteborg. Er ist mit seiner Familie vor den Nazis aus Berlin geflohen. Ein Trauma, das Isak und seine geistig verwirrte Mutter nicht verarbeitet haben. Die Freundschaft der Jungen lässt auch die Familien enger zusammenrücken. Simon wird von Ruben in die Welt der Kunst und Musik eingeführt, während Isak in der Werkstatt des wortkargen Erik bei der gemeinsamen Arbeit neuen Lebensmut findet. Simon hingegen entfremdet sich immer mehr von seinen Eltern und als er die Wahrheit über seine Herkunft erfährt, droht der endgültige Bruch.

Filmemacherin Lisa Ohlin hat Marianne Fredrikssons gleichnamigen Bestseller für die große Leinwand adaptiert und dabei geklotzt und nicht gekleckert: Brillant gefilmte Bilder, vor allem von der malerischen südschwedischen Landschaft, hervorragende Schauspieler und ein eigens für den Film komponierter Score von der mehrfach ausgezeichneten deutschen Komponistin Annette Focks ("Vier Minuten", "Krabat") lassen Großes vermuten. In Schweden war "Simon" denn auch ein Kassenerfolg und wurde für fünf Guldbagge – schwedischer Pendant zum Oscar® – nominiert. Jan Josef Liefers durfte den Preis für seine überzeugende Darstellung des Ruben Lentov entgegennehmen.

Trotz allem hätte ein bisschen weniger "ganz großes Gefühl", unterstrichen von der teilweise pompösen Filmmusik, dem Film ganz gut getan. Auch hätte der Romanstoff stärker verdichtet werden können: Nebenfiguren und Handlungsstränge, die im Buch ihre Berechtigung haben, werden im Film nur kurz eingeführt und angerissen und lenken dabei eher vom eigentlichen Thema ab, als ihm mehr Tiefe zu verleihen. Das macht den Film etwas angestrengt und langatmig.
Melanie Dorda 

(Simon och Ekarna) Schweden, Dänemark, Norwegen, Deutschland 2011, Regie: Lisa Ohlin, Buch: Marnie Blok nach dem gleichnamigen Roman von Marianne Fredriksson, mit Bill Skarsgård, Jonatan S. Wächter, Helen Sjöholm, Stefan Gödeke, Jan Josef Liefers u.a., ab 12, 117 min, Kinostart: 28. Juni 2012 bei Farbfilm

Foto: © FFV/SKF/Roeder



Mehr Infos zu "Simon"

Die deutsche Webseite zu "Simon"
"Simon" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database
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