The Amazing Spider-Man

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Kinostart: 28.6.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Spider-Man ist zurück – und das verwundert zunächst. Denn im Gegensatz zu Batman, den Regisseur Joel Schumacher erst zum bonbonbunten Kinderkram degradierte, bevor ihm Christopher Nolan in "Batman Begins" wieder psychologische Tiefe verlieh, hat Spider-Man ein solch radikales Reboot eigentlich überhaupt nicht nötig. Schließlich liegt der letzte Teil von Sam Raimis überaus gelungener Trilogie gerade einmal fünf Jahre zurück. Weil Raimi sich aber aufgrund kreativer Differenzen 2010 von weiteren Fortsetzungen verabschiedete, entschloss man sich, noch einmal von vorn zu beginnen. Doch kann Regisseur Marc Webb dem Comic-Superhelden mit "The Amazing Spider-Man" dafür tatsächlich so spannende neue Aspekte abringen?

Immerhin soll es eine Geschichte geben, die noch nicht erzählt oder zumindest bislang ziemlich vernachlässigt wurde. Webb forscht dafür ein wenig in der familiären Vergangenheit des Teenagers, der von seiner Tante May (Sally Field) und Onkel Ben (Martin Sheen) großgezogen wurde: Welche Wurzeln hat Peter (Andrew Garfield)? Welches Geheimnis umgibt seinen Vater? Und was hat dessen ehemaliger Kollege und Wissenschaftler Curt Connors (Rhys Ifans) damit zu tun? Um diesen Fragen intensiver nachzugehen, bleibt trotz einer Filmdauer von 136 Minuten allerdings nicht viel Zeit. Denn auch Webb muss sich zunächst einmal damit beschäftigen, wie aus dem Highschool-Schüler Peter der Spinnenmann im rotblauen Spandex-Dress wird und durch die dadurch ausgelöste Transformation übermenschliche Kräfte und Kletterfähigkeiten bekommt.

Vieles kommt einem dabei aus Raimis Adaption noch recht bekannt vor. Denn auch dieses Mal muss Peter Parker lernen, nicht nur mit seinen neu erworbenen Kräften umzugehen, sondern auch Verantwortung zu übernehmen – ausgelöst dadurch, dass Onkel Ben durch ein Verbrechen auf offener Straße erschossen wird. Dieses Bewusstsein ist auch ziemlich bald gefragt im Kampf gegen Connors, der durch einen riskanten Selbstversuch zur bösartigen, riesigen Eidechse mutiert, in gut dosierten Action-Szenen durch New York City wütet und die Bewohner der Metropole auf gleiche Weise "verechsen" will.

Während Raimis Filme selbstironischer, witziger und mehr Comic waren, orientiert sich Webb eher an Nolans "Batman"-Verfilmung: "The Amazing Spider-Man" lässt Parker in 3D durch die Straßenschluchten Manhattans schwingen und ist deutlich ernster, dunkler, geerdeter. Zudem ist der hervorragende Andrew Garfield in der Titelrolle längst nicht so ein schüchterner Nerd wie einst Tobey Maguire. Mit Garfield wird Peter zum cleveren und Skateboard fahrenden Einzelgänger, der sich gegen Schulmobbing zur Wehr setzt und nicht ewig zögert, das Herz der angehimmelten Gwen (Emma Stone), der Tochter von Police-Officer Stacy, zu erobern und ihr seine zweite Identität zu verraten. Die versprochene unerzählte Geschichte klingt dabei jedoch nur an. Die Fährten dafür werden vielmehr in Richtung Fortsetzung gelegt. Dafür, dass "The Amazing Spider-Man" eigentlich nicht wirklich nötig war, ist er aber ziemlich gut geworden.
Sascha Rettig

The Amazing Spider-Man, USA 2012, Regie: Marc Webb, Buch: James Vanderbilt, Alvin Sargent, Steve Kloves, mit Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Campbell Scott, Martin Sheen u.a., ab 12, 136 min, Kinostart: 28. Juni 2012 bei Sony Pictures

Foto: © 2012 Sony Pictures Releasing GmbH



Mehr Infos zu "The Amazing Spider-Man"

"The Amazing Spider-Man" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "The Amazing Spider-Man"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "The Amazing Spider-Man" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




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