Wir alle wissen, wer Peter Pan ist. Und singen im Chor: "Der Junge, der nicht erwachsen werden will!" Was wissen wir noch? Nicht sehr viel, denn Peter Pan ist auch der Mythos, der hierzulande nie so richtig Fuß fassen konnte. Deshalb in aller Kürze: Es handelt sich hier um eine der großen viktorianischen Kindersagas aus dem 19. Jahrhundert, in einer Liga mit "Alice im Wunderland". Aufgeschrieben hat sie der Brite J.M. Barrie. Erzählt wird darin das Abenteuer der heranreifenden Wendy, die vom fliegenden Pan nach Nimmerland entführt wird, um dort mit ihm und seiner Gang, den "verlorenen Jungs", den bösen Piraten Captain Hook zu bekämpfen. Die bekanntesten Verfilmungen, ein Disney-Cartoon und "Hook" (1991) mit Robin Williams als Peter Pan, sind nicht besonders gut.
Die neue Adaption von P.J. Hogan ("Die Hochzeit meines besten Freundes") ist interessant als bisher werkgetreueste Annäherung an das Original und damit als zeitlose Psychoanalyse jener Generation, die - und noch einmal! - "nicht erwachsen werden will". Vielleicht reicht es zu sagen, dass Wendys Vater und Captain Hook in alter Tradition von derselben Person gespielt werden. Und dass Peter Pan die süße Wendy als potenzielle Geliebte, aber eben auch als Mutter begreift. Die pädagogische Botschaft lautet, solchen Kindereien Lebewohl zu sagen und das Erwachsensein als das eigentliche Abenteuer lieben zu lernen. Wer dazu keine Lust hat, sieht immer noch einen netten Mantel-und-Degen-Film mit einer bezaubernden Hauptdarstellerin, fiesen Piraten und einem Krokodil mit Uhr im Bauch. Sozusagen "
Fluch der Karibik" für die ganz Kleinen. Störend ist nur das offensichtliche Bemühen, mit Harry Potter mitzuhalten: Eine Menge Spezialeffekte wurden hier auf die Leinwand gebracht und wie immer, wenn Tricktechniker ihre ganze Fantasie springen lassen, bleibt für die eigene Vorstellungskraft wenig Platz. Gewöhnen muss man sich insbesondere an Ludivine Sagnier als optisch minimierte und notorisch quengelige Fee Tinkerbell. Und an Peter Pan selbst. Der ist nämlich die schlimmste Nervensäge von allen. Aber wer die Story und Typen wie ihn kennt, weiß: Das muss so sein.
Philipp Bühler
Peter Pan, USA 2003, Regie: P.J. Hogan, Buch: Michael Goldenberg, P.J. Hogan, mit Jason Isaacs, Jeremy Sumpter, Rachel Hurd-Wood, Ludivine Sagnier, Olivia Williams, Harry Newell, Freddie Popplewell, Lynn Redgrave, Richard Briers, Theodore Chester, Kinostart: 1. April 2004 bei Columbia TriStar
Foto: Verleih
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